Fund der Woche beim BKA: Die Realität im Dauerkriegszustand

„Die wenigen die das System verstehen, werden so sehr an ihrem Profit interessiert oder so abhängig sein von der Gunst des Systems, dass aus deren Reihen nie eine Opposition hervorgehen wird. Die große Masse der Leute aber, mental unfähig zu begreifen, wird seine Last ohne Murren tragen, vielleicht sogar ohne zu Mutmaßen, dass das System ihren Interessen feindlich ist.“
(Gebrüder Rothschild 1863)


Da haben die sich aber getäuscht!
😀

Eine neue Ära hat begonnen…

Zum Thema Kriminalwissenschaften bin ich heute beim Bundeskriminalamt auf eine überraschend „patriotische“ Rede von Herfried Münkler bei einer Herbsttagung aus dem Jahr 2005 gestoßen, deren Inhalt ich gern für die, die den Glauben an ehrliche Menschen im Polizeiwesen bereits aufgeben wollten, auszugsweise zitieren möchte.

(Seite 3-4)

[…]Doch die Erosion von Staatlichkeit in der OECD-Welt geht langsam voran – und sie bleibt letzten Endes politisch beherrschbar. Es ist dabei sogar nicht einmal grundsätzlich ausgeschlossen, dass die Abgabe einer Reihe von Aufgaben im Ergebnis zu einer Stärkung staatlicher Handlungsfähigkeit durch Konzentration auf die Kernaufgaben des Staates führen kann. Ich selbst bin gegenüber dieser wohlfeilen Politikerrhetorik freilich eher skeptisch und fürchte, dass die Politik hier einen Tiger reitet, den sie in grandioser Selbstüberschätzung für ein gefügiges Pony hält – aber Selbsttäuschungen können ja mitunter ungeahnte Kräfte freisetzen. Wir werden sehen.
Viel dramatischer und folgenreicher ist dagegen der Prozess des Staatszerfalls an der Peripherie der Wohlstandszonen, also jenem breiten Gürtel, der sich von Lateinamerika über Afrika nach Zentralasien hinzieht, um schließlich in Südostasien zu enden. Hier, wo Staatlichkeit niemals jene Intensität und Dichte erreicht hat wie in West- und Mitteleuropa, zerfallen die Ordnungsstrukturen des Staates schnell, und an ihre Stelle treten Akteurskonstellationen, in deren Leistungserbringungen immer auch die spezifische Interessenwahrnehmung derer eingelagert ist, die sich den Staat angeeignet haben. Will man es emphatisch formulieren, so wird der Staat hier nicht als Dienst und Pflicht, sondern als Beute und Mittel zur Sicherung von Eigeninteressen begriffen.

In der etwas weniger emphatischen Sprache der Politikwissenschaft heißt das, dass der Staatszerfall wesentlich durch ein nicht zu schließendes Defizit an korruptionsresistenten Eliten vorangetrieben wird.

Solange das der Fall ist, wird die erodierende Staatlichkeit weder durch Schuldenerlasse noch durch höhere Entwicklungshilfe zu stoppen sein. Das ist eine wenig riskante Prognose. Die Entstehung von failing states oder failed states erfolgt schneller als das gegenläufige Bemühen um state formation bzw. nation buildung. Was sich in der OECD-Welt als ein politisch tendenziell kontrollierter Prozess abspielt, findet hier als kataklysmische Katastrophe statt. Ich fürchte jedoch, dass dies über kurz oder lang erhebliche Rückwirkungen auf die Staatenordnung der OECD-Welt hat, unter anderem darin, dass sich ein Sog zu neuen Formen imperialer Einflussnahme entwickelt, die von Militärinterventionen bis zu sanften Formen der Beeinflussung reichen und in deren Gefolge sich politische Strukturen herausbilden, bei denen die Kontrolle von Strömen, etwa an Menschen, Kapital, Dienstleistungen und Informationen, wichtiger ist als die Befriedung von Territorien. Letzteres war die erste und wichtigste Aufgabe des Staates, wie er als politisches Ordnungsmodell in Europa im Verlauf des 16. und 17. Jahrhunderts entstanden ist.[…]

(Seite 8-10)

[…]Vor dem Hintergrund der europäischen Kriegsgeschichte, wie ich sie hier vom 17. bis zum frühen 20. Jahrhundert skizziert habe, wird überhaupt erst deutlich, welche Veränderungen sich im Kriegsgeschehen und den Gewaltregimes während der letzten zwei, drei Jahrzehnte vollzogen haben. In der Gestalt der Warlords sind die privaten Kriegsunternehmer, die Condottieri des späten Mittelalters und der frühen Neuzeit, zurückgekehrt, die Verbilligung der Kriege an der Peripherie der Wohlstandszonen in Folge ihrer Führung mit leichten Waffen, von Kalaschnikows über Mehrfachraketenwerfer bis zum dual-use-Gerät Pick up, hat die Schwellen der Kriegführungsfähigkeit dramatisch abgesenkt, die Entprofessionalisierung der Streitkräfte, zu deren Symbol die zahllosen Kindersoldaten in aller Welt geworden sind, hat den Krieg weiter verbilligt, und schließlich ist es im Gefolge dieser Entwicklung zu einer Entdifferenzierung von kriegerischer Gewaltanwendung und alltäglichem Erwerbsleben gekommen, die zur Folge hat, dass die Akteure der neuen Kriege kein Interesse daran haben, dass diese Kriege enden, weil sie buchstäblich davon leben.

Es gehört zur paradoxen Charakteristik der neuen Kriege, dass die Organisation des massenhaften Todes zur Überlebensbedingung einiger geworden ist.

Das Desinteresse der Warlords und ihrer bewaffneten Entourage an der Beendigung des Krieges erklärt zugleich die lange Dauer dieser Kriege. Sie zählen nicht nach Monaten oder Jahren, sondern nach Jahrzehnten, und sie fressen sich während dieser Zeit tief in die Strukturen der Gesellschaften ein. Wenn einer dieser Kriege schließlich doch erlischt, sei es durch Übereinkunft der an ihm beteiligten Parteien, sei es im Gefolge einer Intervention von außen, dann gibt es keinen Wechsel von der Kriegs- zur Friedensökonomie, sondern die sozio-ökonomischen Strukturen sind dann so grundlegend zerstört, dass die Kriegsökonomie sich in mafiose Strukturen transformiert und die kriegerischen Ausplünderungsregimes sich in Gestalt krimineller Großgruppen fortsetzen. Die Übergänge sind dabei oft nur gradueller Art. Vor allem aber sind während der langen Dauer dieser Kriege ganze Generationen herangewachsen, die nicht anderes kennen, aber auch nichts anderes gelernt haben als Krieg. Sie müssen nicht nur physisch, sondern vor allem auch psychisch demobilisiert werden; und daran scheitern viele Friedensprozesse, an denen auch die Bundesrepublik Deutschland mit Geld und Personal beteiligt ist.

So billig, wie die Kriegführung für die an ihr beteiligten Akteure in den neuen Kriegen geworden ist, so teuer ist die Organisation von Friedensprozessen. Und so niedrig, wie die Eintrittsschwellen der Kriegführungsfähigkeit inzwischen sind, so hoch hängen nun die Schwellen für den Eintritt in einen stabilen Friedenszustand.

Auch das ist eine Folge nichtreziproker Strukturen. Das Modell des klassischen Staatenkrieges war daran orientiert, Kriegserklärung und Friedensschluss in einer symmetrischen Balance zu halten. Das ist in den neuen Kriegen nicht der Fall: Abgesehen davon, dass sie in den seltensten Fällen formal erklärt werden, enden sie in der Regel auch nicht durch einen formalen Friedensschluss, sondern, wenn überhaupt, durch einen Friedensprozess, der sich über mehrere Jahre hinzieht. Dafür entwickeln sich die Kriege unmerklich, oftmals in Formen organisierter Kriminalität, die zunächst noch nicht als Krieg bezeichnet werden können. Aber dann intensiviert sich die Gewalt, und mit einem Mal handelt es sich um einen veritablen Krieg, etwa zwischen Kokainhändlern, paramilitärischen Gruppen und Guerilleros, die sich auf eine revolutionäre Ideologie berufen, wie etwa in Kolumbien oder zuvor bereits in Peru.

Das Problem ist, dass die Gesellschaften an der Peripherie der Wohlstandszonen viele Wege in den Krieg kennen, aber eigentlich keinen einzigen, der zu einem Frieden zurückführt.

Dennoch bleibt die Frage, wie es überhaupt möglich ist, so lange Krieg zu führen. Im Prinzip kann man Krieg definieren als eine Form beschleunigten und intensivierten Ressourcenverbrauchs, der die Gesellschaften nach einiger Zeit in den politischen Aggregatzustand des Friedens zurückzwingt. Frieden ist entschleunigter Ressourcenverbrauch, Ökonomie der Nachhaltigkeit usw.. Dementsprechend ist die Lebensdauer von Gesellschaften im Zustand des Friedens unendlich viel höher als im Zustand des Krieges.

Man kann darum sagen, dass Gesellschaften aus Gründen ihrer Selbsterhaltung eine natürliche Tendenz zum Frieden haben. Wie also ist erklärbar, dass in den neuen Kriegen diese Tendenz umgekehrt zu sein scheint?

In der einschlägigen Literatur findet sich die Unterscheidung zwischen geschlossenen und offenen Bürgerkriegsökonomien. Dabei gehen die Autoren davon aus, dass sich Staaten- und Bürgerkriegsökonomien dadurch unterscheiden, dass erstere ein deutlich höheres Maß an Organisation aufweisen, während letztere von selbstdestruktiven Tendenzen geprägt sind. Bürgerkriegsökonomien sind nicht nur durch beschleunigten Ressourcenverbrauch, sondern obendrein durch wilde Ressourcenzerstörung geprägt. Deswegen sind Bürgerkriege für Gesellschaften, jedenfalls wenn sie länger dauern, erheblich destruktiver als Staatenkriege, aber in der Regel sind sie – das war zumindest in der Vergangenheit so – darum auch kürzer. Nach kurzer Zeit sind die zu plündernden Häuser leer, die Vorräte aufgebraucht, und demgemäß verliert der Konflikt an Energie. Die genauere Betrachtung zeigt nun, dass das so nur bei geschlossenen Kriegsökonomien der Fall ist, d.h. dort, wo ein begrenztes Quantum an Ressourcen zur Verfügung steht, das irgendwann verbraucht ist.

Sobald es sich jedoch um offene Kriegsökonomien handelt, ist dies grundlegend anders: Hier fließen mit dem Fortgang des Krieges permanent neue Ressourcen nach, und nicht selten ist die Weiterführung des Krieges die Ursache für den Ressourcenzufluss von außen.[…]

11 thoughts on “Fund der Woche beim BKA: Die Realität im Dauerkriegszustand

  1. Das Foto zu dem Artilel ist Klasse.
    Es sagt mehr aus, als 100 Seiten lange Referate.
    Das ist das erstrebenswerte Ziel der NWO und dazu bedarf es keiner politischen Ideologien.
    Eine graue Masse von Konsumenten, deren soziale, kulturelle, rassisch-völkische Identität zerstört ist.
    Mit einem Strichcode auf dem Rücken an denen man die Menschen wie Artikel katalogisieren kann.
    Aber nicht nach Geschlecht (ist abgeschafft), auch nicht nach Nation (gibts nicht mehr).
    Sondern nach Kriterien des Konsumsverhaltens in einer durch Werbung manipulierten Gesamt-Menschheit.

  2. “ die Politik hier einen Tiger reitet, den sie in grandioser Selbstüberschätzung für ein gefügiges Pony hält –“

    „Cavalcare la Tigre“ – Den Tiger reiten. Das sollten auch wir – aber ein gefügiges Pony wird er nicht sein.Im Gegensatz zur untergehenden DDR wird er sich mit allen, auch den brutalsten Mitteln wehren…

    • @schildwache

      Hallo, ich habe geklickt. Der Sinn der Webseite ist gut, sehr gut. So in etwa kann ein Netzwerk aufgebaut werden.

      Nicht die einzelne Webseite eines „Kämpfers“ bringt uns weiter, sondern die Verbindung vieler.
      Meine Webseite wird demnächst ausgebaut und übersichtlicher gestaltet, nachdem innerhalb kurzer Zeit über 6000 Zugriffe stattfanden, ohne erwähnenswerte Werbung.
      Mit deiner Erlaubnis, werde ich einen Link zu deiner Webseite setzen.
      So kann sich daraus was entwickeln.
      Allerdings: kleine Warnung! So Aufrufe wie „Gesamt-Rechts“, als Webseite, mit der Aufforderung sich zu identifizieren ohne aber das die Betreiber der Webseite sich auch offenlegen, ist nur mit Vorsicht zu genießen. (Bandwurmsatz, mein armer Lehrer)

      Lieber etwas skeptisch, als zu offen. Dennoch gibt es Wege sich vertrauensvoll anzuschließen.

      Und das sollten wir auch tun.
      Klick auf meinen Nick öffnet die Webseite, die, wie erwähnt, stark ausgebaut wird, da auch andere Projekte der patriotischen Vereinigung mit darüber laufen.

      Zum Abschluss: das Bild,oben, und die Rede von Herfried Münkler, ist eine Verbreitung wert.Wieder einmal ein interessantes Thema von Mia. Danke!

      • Das wäre sehr hilfreich mit dem Link.
        ja,deine Seite müsstest du mal aufräumen,vor allem was Struktur und Übersichtlichkeit angeht,ach sollte ein leitthema anstehen.Also der Zweck der Seite muss ersichtlich werden.
        Wenn du an ontakt interessieert bist,dann schicke mir doch eine Mail an: sw2010@safe-mail.net

  3. Ja, der Weg in die NWO ist klar vorgegeben unsere Politiker marschieren ohne zu murren mit, da auch sie Abhängig vom „System“ sind wie es die Gebrüder Rothschild in ihrem Ausspruch das beschreiben.
    Die Auszüge aus dem Referat sind beachtlich, auch wenn wir anmerken dürfen das all jene die in höheren Positionen des Macht- bzw. Sicherheitsapparates dienen über kurz oder lang ihre eigene Meinung ablegen müssen, vorausgesetzt sie wollen weiterhin Karriere machen. Jedoch immerhin ein Anhaltspunkt dafür das auch im Machtkomplex der Herrschenden noch den ein oder anderen aufrechten Menschen gibt.

  4. Pingback: Fund der Woche beim BKA: Die Realität im Dauerkriegszustand « Der Honigmann sagt…

  5. So in der Art hat es Naomi Klein in der „Schock-Strategie“ auch beschrieben. Die US-Regierung hat ganz offiziell einen Wirtschaftszweig geschaffen, der dem Militär zuarbeitet. Das Ziel ist nicht friedliches Zusammenleben, sondern die sprichwörtliche „Gelddruck-Maschine“ am Laufen zu halten.

    Das ist es, was das Übel unserer Zeit ist. Und dem wohl unsereins nichts entgegensetzen kann.

  6. Hab´s hier untergebracht, weil u. a. Lobbyismus angesprochen wird. Thema hier ist Korruption in D.
    Interviewpartner ist der „Sprecher vom Bund der dt. Kriminalbeamten“ Uwe Dolat(d)a.
    Spricht ohne Maulkorp, -sensationell (ist wirklich aufschlussreich)!


    oder:

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s