Wer Recht erkennen will, muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben

Danke Frau Merkel,
dass Sie sich auf Hauptschulniveau herabgelassen haben, damit ich Sie durchschauen kann…:mrgreen: Meine neueste Erkenntnis: Blendet Dich der hellste Stern – so ist die Wahrheit nicht mehr fern!

Jetzt weiß ich auch, wieso man niemals einen Rechten aussprechen lassen soll.
Die wissen zu viel. Nicht wahr, Frau Kanzlerin?😉

Wenn man schon nicht hinhören darf, empfehle ich, aufmerksam zu lesen:

„Reichstag. – 263. Sitzung. Freitag den 4. Februar 1927“
– Reichstagsprotokolle Seite 8840-8848

(Hab sie für Euch – um bei Einigen die geschichtswissenschaftlichen Kenntnisse zu erweitern – von den altdeutschen „Urschriften“ abgetippt. Tippfehler dürft Ihr behalten, für alles Weitere übernehme ich die volle Verantwortung.)

[…] Präsident Löbe: Das Wort hat der Herr Abgeordnete Henning.

Henning (VA), Abgeordneter: Meine verehrten Damen und Herren! Als wir gestern die Regierungserklärung durch den Herrn Reichskanzler Marx hier gehört haben, mußte ich unwillkürlich an ein Wort Lessings denken –

(Andauernde große Unruhe.)

Präsident Löhe: Ich bitte um Ruhe!

Henning (VA), Abgeordneter: – der einmal von einem Dichter sagte, er fülle Därme mit Sand und verkaufe sie als Würste. Der Sinn dieser Worte Lessings ist doch der, daß dieser Dichter zusammenhanglose Dinge in eine Form füllt und die dann als ein Ganzes, innerlich Zusammenhängendes verausgaben will. So kommt mir auch die Erklärung der Reichsregierung vor; denn was wir da gehört haben, war eine Fülle von Einzelheiten ohne innere Verbundenheit. Wenn aber eine Regierung, zumal nach einer so schweren Krise, wie wir sie erlebt haben, hier vor das Haus tritt, so hat sie doch, wenn sie doch grundlegend Besserung schaffen will, zunächst einmal die Pflicht, Wege zu zeigen, wie die Besserung herbeigeführt werden soll. Dabei muß man doch in unserer heutigen Lage die unbedingte Abhängigkeit unserer Wirtschaftspolitik und damit wieder unserer Sozialpolitik von der Außenpolitik in den Vordergrund der Betrachtungen stellen. Es ist doch kein Weg zur Besserung, wenn jemand lediglich die einzelnen Gebiete vornimmt und überall sagt: „Die Regierung wird versuchen“, „die Regierung wird bemüht sein“, „es wird das Bestreben der Regierung sein“, in der und der Einzelfrage ihr Bestmögliches zu tun. Mit einer Prüfung, ob das, was auf dem einen Gebiet erstrebt ist, z.B. auf dem Siedlungsgebiet, finanziell überhaupt möglich ist, wie unsere Wirtschaft bei diesen Leistungen an das Ausland in finanzieller Hinsicht wieder hochkommen soll, damit hat sich die ganze Regierungserklärung überhaupt nicht befaßt!

(Sehr richtig!)

Statt dessen hörten wir eine Fülle von Einzelversprechungen ohne jeden inneren Zusammenhang, ohne Prüfung der Möglichkeit der Verwirklichung.
Wenn man nun diese Einzelheiten näher betrachtet, so ist es eigentlich ein „Meistbegünstigungsrecht für sämtliche Berufsstände“ des deutschen Volkes, was hier ausgesprochen worden ist. Darüber, ob es durchführbar ist oder ob nicht das eine durch das andere aufgehoben wird, wurden keinerlei Erwägungen angestellt. Wahllos wurde einem etwas hingeworfen, damit sich diese und jene Gruppe der Regierung freundlich gegenüberstellen soll.

(Sehr richtig! bei den Völkischen.)

Ich muß Ihnen namens meiner politischen Freunde erklären, daß uns eine solche Regierungserklärung inhaltlich reichlich mager vorkommt.
Bei einem solchen Regierungswechsel müssen wir nun einmal, großzügig betrachtet, überlegen, was dieser Moment in dem politischen Werdegang unseres deutschen Vaterlandes überhaupt bedeutet. Ist das wirklich ein bedeutsamer Schritt oder nur wieder eine Episode, wie wir sie so oft erlebt haben? Ich glaube, wenn man den äußerlichen Werdegang betrachtet, so ist das Urteil damit eigentlich schon gefällt. Der äußerliche Werdegang ist sicherlich nicht grundlegend, aber er ist kennzeichnend für die ganze Sache. Wie ist denn diese Regierung zustande gekommen? Es ist – das ist auch aus den Betrachtungen des Herrn v. Guérard deutlich herausgeklungen – die Rede des Herrn Scheidemann gewesen, die ausschlaggebend war! Ausgerechnet Herrn Philipp Scheidemann verdanken wir diese Regierung; so ist es doch! Ich glaube, es ist im ganzen Hause kein Mensch, der, wenn er diese Entwicklung verfolgt hat, nicht zu der Überzeugung kommt – und Herr v. Guérard hat das mit seiner ganzen Rede bestätigt -: wenn Herr Philipp Scheidemann seine damalige hochverräterische Rede nicht gehalten hätte, dann hätten wir heute wieder eine Koalition vom Zentrum nach der Sozialdemokratie hinüber, und von einem Eintritt der Deutschnationalen in die Regierungskoalition wäre wohl niemals die Rede gewesen. Also so „tiefgründig“ oder – um es ernsthaft auszudrücken – so an der Oberfläche ist alles, was zu dieser Krisis und dieser Regierungsbildung geführt hat. Herr v. Guérard hat in seiner Rede erklärt, seine Partei käme über eine „ungeschickte Rede“ schon hinweg; solche Dinge wären niemals ein „unüberbrückbares Hindernis“. So suchte er schon heute wieder Brücken nach links zu schlagen! Solche Reden, wie die des Herrn Scheidemann, können wir aber nicht als „ungeschickt“, sondern nur als einen Landesverrat nach Strich und Faden bezeichnen!
Wenn man nun die Dinge allgemein betrachtet, so ist der Kernpunkt der gegenwärtigen Regierungsneubildung der Eintritt der Deutschnationalen in die Regierungskoalition. Daher müssen sich die Betrachtungen dessen, was diese Geschehnisse bedeuten, zum größten Teil leider mit der Stellung der Deutschnationalen bei dieser Regierungsneubildung beschäftigen. Es wäre mir an und für sich sehr viel lieber gewesen, wenn ich mich mehr mit anderen Parteien beschäftigen könnte. Gewiß muß ich mich auch mit den anderen Parteien befassen und auseinandersetzen, aber der Kernpunkt meiner Darlegungen wird doch sein: was bedeutet der Eintritt der Deutschnationalen in die neue Regierung? Was haben wir davon zu erwarten? Herr v. Guérard hat vorhin einen Satz ausgesprochen – es ist so ungefähr der einzige Satz, dem ich restlos zustimmen kann, ein Satz, den auszusprechen ich selbst schon vorhatte -: daß der Eintritt der Deutschnationalen – und darin liegt der Kern der ganzen Lage – in seiner praktischen Auswirkung nicht etwa bedeutet, daß wir in unserem politischen Werdegang einen Schritt nach rechts, also in das nationale Lager getan haben, sondern daß die Entwicklung sich so gestaltet hat, daß die Mitte stehengeblieben und der rechte Flügel der Regierungskoalition, also die Deutschnationalen, nach der Mitte zu abgerutscht ist. Die Deutschnationalen haben sich an die Mitte herangefunden, und wir haben genau dieselben Gesichtspunkte in der Erklärung der neuen Regierung wie in der früheren Regierung ohne Deutschnationale. Somit kann uns diese Regierungsentwicklung keine gesunde Entwicklung nach rechts darstellen. Wie gesagt, in diesem Punkte möchte ich Herrn von Guérard durchaus zustimmen. Eine Bestätigung der Richtigkeit dieser Auffassung finden Sie, meine Damen und Herren, auch in der gesamten Auslandspresse. Wie sind denn da die Dinge gelaufen? Zuerst, als die Entwicklung dahin ging, daß der Eintritt der Deutschnationalen in die Regierung als wahrscheinlich erschien, da ging ein großes Geschrei durch die Presse des Auslandes, vor allen Dingen Frankreichs. Sie schäumte auf gegen die Entwicklung ins nationale Lager. Aber nach ein paar Tagen wurde alles stumm. Man fand sich mit den Tatsachen ab, man war auf einmal mit der Entwicklung zufrieden. Warum? Aus dem einfachen Grunde, weil das Ausland, insonderheit die Franzosen, die ja mit Argwohn darüber wachen, daß das nationale Gefühl in Deutschland nicht wieder hoch kommt, sich völlig befriedigt fühlten, als sie die Entwicklung im einzelnen zur Kenntnis nahmen und erfahren hatten, was für ein kaudinisches Joch den Deutschnationalen aufgebaut worden war. Da hörte der Sturm der Entrüstung in der Auslandspresse auf, und man war zufrieden. Heute betrachtet man die Deutschnationalen drüben in Frankreich beinahe schon als liebe Freunde.

(Sehr gut! bei den Völkischen.)

Leider muß diese Tatsache einmal offen ausgesprochen werden. Rein äußerlich wäre ja eigentlich mit dieser Regierungsbildung endlich etwas vollzogen, was in der letzten Reichstagswahl als Volkswille, als einzig klare Richtlinie, zum Ausdruck gekommen ist: Das Ergebnis der letzten Reichstagswahl war doch, daß wir endlich eine Rechtsmehrheit ohne Demokratie hatten. Das war der Sinn der vorigen Reichstagswahl! Dieses Ergebnis ist endlich zur Tat geworden, aber leider Gottes eben nur äußerlich. Das war das, was wir nach der letzten Reichstagswahl auch erwarteten, daß es nicht nur äußerlich, sondern auch innerlich vollzogen werden müßte. Wir begrüßen es aufs wärmste, daß zunächst einmal die Demokratie ausgeschieden ist, denn wir können – wie wir das schon öfter hier ausgesprochen haben – die Demokraten nicht als eine sogenannte bürgerliche Partei oder Partei der Mitte bezeichnen. Für uns ist die Demokratie die ausgesprochenste Linkspartei, die es gibt, die ausgesprochenste Vertreterin der Internationale.

(Zuruf von den Deutschen Demokraten.)

– Ja, Herr Kollege, daran ändert nichts, daß es – wie ich Ihnen zugebe – einzelne ehrliche Demokraten gibt, fußend auf den alten Auffassungen, die aber heute in der nachrevolutionären demokratischen Partei mit all ihren geheimen Fäden, mit all ihren geheimen Machtmitteln, mit dem ganzen internationalen Judentum und der jüdischen Presse, die hinter ihnen steht, eigentlich gar nichts mehr zu suchen haben.

(Sehr richtig! bei den Völkischen.)

Es gibt manchen, der an den Ideen von 1848 usw. hängt und glaubt, er müsse heute Demokrat sein. Das sind nicht die Demokraten von heute. Die Demokraten von heute sind der Sturmbock der Internationale zur wirtschaftlichen und geistigen Versklavung des deutschen Volkes. Aus diesem Grunde sind sie auch die Schleppenträger des Marxismus, der ja auch nur eine Waffe derselben internationalen Gruppe ist.
Was wir aus dieser Entwicklung aber mit aller Deutlichkeit sehen,

(Zuruf von den Kommunisten: Was Sie alles Herrn Westarp abnehmen!)

– warten Sie nur, Sie werden schon auf Ihre Kosten kommen – das ist die Tatsache – und das ist vielleicht in der allgemeinen Betrachtung unserer Entwicklung in Deutschland eine der grundlegendsten -, daß wir in Deutschland zur Zeit nicht in der Lage sind, zu einer wirklich nationalen Richtung zu kommen, so wie es ja wohl im Herzen der meisten Deutschnationalen erstrebt wird, weil das Zentrum in der Mitte dauernd das Hemmnis für diese Entwicklung ist!

(
Sehr wahr! bei den Völkischen.)

Ich habe vorhin gesagt, das Ergebnis der letzten Reichstagswahl sei eine Rechtsmehrheit ohne Demokratie gewesen. Ich erkläre hier als Folgerung – und die Tatsachen bestätigen es jetzt -: wir werden zu keiner wirklichen nationalen Gesundung kommen, wenn nicht endlich eines Tages eine Wahl kommt – leider Gottes wird es noch ziemlich lange dauern -, wo wir eine Rechtsmehrheit ohne Zentrum haben, wo das Zentrum auf den Platz verwiesen wird, auf den augenblicklich die Demokratie gedrängt ist. Was hilft es uns denn, wenn Herr v. Guérard mit großem Pathos mehrmals und besonders am Schluß seiner Rede ausgesprochen hat, daß das Zentrum das Vaterland über die Partei stelle. Ich muß wirklich sagen: wenn man den Kuhhandel und alle diese Intrigen, die hier gespielt haben, bis man die Deutschnationalen dahin gebracht hat, daß sie all das anerkannt haben, was das Zentrum aus Parteirücksichten durchzubiegen sich zur Pflicht gemacht hat, betrachtet, dann sollte Herr v. Guérard lieber diesen Satz nicht aussprechen! Das ganze Spiel war so ungeheuerlich, daß, Gott sei Dank, draußen im deutschen Volk weite Kreise erkannt haben, was eigentlich das Spiel des Zentrums ist.

(Sehr richtig! bei den Völkischen.)

Und wenn es erhärtet werden mußte, dann war es diese Buhlerei des Herrn v. Guérard nach links, die so weit ging, daß er sagte: man säße ja sogar räumlich so nahe mit den Sozialdemokraten, daß die Fäden schon dadurch weitergesponnen werden könnten. Ein tiefgründiger politischer Gedanke! Gewachsen auf dem geistigen Boden des Herrn v. Guérard, der sich ja über alle anderen immer so lustig zu machen versucht!
Was ich also als Ergebnis dieser allgemeinen Betrachtung nochmals feststellen möchte, ist die Tatsache, daß es leider Gottes nicht so gekommen ist, daß durch die Deutschnationalen die Regierung nach rechts gezogen worden ist, sondern daß die Deutschnationalen nach der Mitte abgerutscht sind.
Das bedeutet aber einen schwerwiegenden Gesichtspunkt für unsere weitere innerpolitische und außenpolitische Entwicklung. Meine Herren von den Deutschnationalen, denken Sie einmal zurück an die Zeit Ihres Parteitags in Köln. Wenn Sie die damalige französische Presse lesen, würden Sie eine ganze Reihe von Äußerungen finden – ich habe die einzelnen Blätter nicht mehr da, das ließe sich aber leicht nachholen -, aus denen hervorgeht, daß die französische Presse Ihren Parteitag zum Teil in einer ebenso großen Aufmachung gebracht hat wie den Eintritt Deutschlands in den Völkerbund. Bei diesen Äußerungen trat in mehreren Blättern der Gedanke zutage, daß Frankreich sich über den Parteitag der Deutschnationalen freue; denn nunmehr sei die nationale Opposition in Deutschland erledigt. Durch Köln – das war der Kernpunkt – habe Genf überhaupt erst seine wahre Bedeutung bekommen! Darin liegt eine große, tiefe Richtigkeit. Bis dahin mußten die Franzosen damit rechnen, daß in Deutschland eine nationale Opposition vorhanden war, die zwar vorübergehend bei einzelnen Wahlen Schwankungen erlitt, aber doch zu der Hoffnung berechtigte, in stetiger Entwicklung immer mehr zuzunehmen und dann eines Tages die Mehrheit zu haben oder mindestens der ausschlaggebende Faktor bei der Regierungsbildung zu sein. Dann aber nicht mit Kompromissen in der Art, wie jetzt erfolgt sind, sondern entsprechend dem ursprünglichen deutschnationalen Programm, das ja in seinen einzelnen Punkten heute nicht mehr gelten kann; denn es ist in allen grundlegenden Punkten eigentlich aufgegeben! Solange die Franzosen diese Befürchtung haben mußten, mußten sie sich sagen: dann hat Genf, dann hat der Eintritt Deutschlands in den Völkerbund für uns ja nur einen bedingten, einen zeitlichen Wert. Kommt die Entwicklung ins nationale Fahrwasser, dann wird Deutschland andere Forderungen stellen oder aus dem Völkerbund ausscheiden. Dieser Vorteil ist für uns verloren. Die Franzosen brauchten uns viel mehr als wir sie im Völkerbund. Deshalb auch seit Jahren die ganze Arbeit, Deutschland reif zu machen, schließlich unter Drohungen in der Presse zu zwingen, in den Völkerbund zu gehen, weil man uns brauchte!
Diese ganze Angst ist den Franzosen genommen. Die eine Zeitung schrieb ganz offen: Wenn die Deutschnationalen in Köln erklärt haben, daß sie sich nun auf den Boden der gegebenen Tatsachen stellen und bereit sind, an den Aufgaben im Völkerbund mitzuarbeiten, dann können sie nachher nicht mehr rückwärts. Eine Zeitung schrieb sogar: Die Partei wird ja nun wohl auch in weiten Kreisen des eigenen Landes nicht mehr ernst genommen. Ich will mir diese gehässige Redewendung nicht zu eigen machen; aber ich möchte Ihnen das eine sagen, meine Herren bei den Deutschnationalen: den Oppositionsgedanken kann man nicht einfach wie ein Stück Rüstzeug in den Schrank hängen und eines Tages wieder herausholen. Man kann auch nicht den monarchischen Gedanken auf Kammer abgeben und dann vielleicht später, wenn man eines Tages nicht mehr in der Regierung ist, wieder herausholen. Auch verschiedene andere grundlegende Prinzipien, die Sie früher gepredigt haben als Ihre obersten Gesichtspunkte, um die Sie werben wollten, für die Sie Ihre werbende Kraft im Anfang auch voll und ganz entfaltet haben und durch die Sie zu der starken Partei geworden sind, können Sie nicht einfach abgeben und in die Räucherkammer hängen. Diese Ware hält sich schlecht, wenn sie nicht dauernd gepflegt wird. Wenn Sie sie wieder herausholen, ist sie verdorben; das ist nicht zu machen. Wenn Sie heute unter das kaudinische Joch gegangen sind und sich verpflichtet haben, diese Republik als verfassungsmäßig und sogar rechtsgültig zustande gekommen anzuerkennen, wenn Sie sich damit verpflichtet haben, nicht mehr gegen die Revolution als einen Verfassungsbruch, als einen Landesverrat vor Ihren Wählern anzukämpfen, dann können Sie nachher nicht mehr umgekehrt arbeiten. Wenn Sie sich jetzt verpflichtet haben, überall für Schwarz-Rot-Gold einzutreten und es zu schützen – ich erinnere an die Worte des Herrn v. Guérard, wie das als Kernstück, als Zentrumserfolg, herausgeholt wurde -, dann können Sie nachher nicht umgekehrt vorgehen. Herr v. Guérard hat Ihnen mit aller Deutlichkeit noch einmal zu verstehen gegeben, daß das Lächerlichmachen oder die Verunglimpfung der Republik und ihrer Farben draußen in den deutschnationalen Versammlungen und Zeitungen aufhören muß. Er verlangte, daß dagegen jetzt endlich loyal ein Riegel vorgeschoben wird, sonst würde das sehr bedenkliche Folgen in der Regierungskoalition haben! Er hat Ihnen also ganz offen gedroht, daß das Zentrum Ihnen den Stuhl wieder vor die Tür setzen wird, wenn sich Ihre Agitation im Lande nicht auf den Schutz der Republik und ihrer Farben einstellt, sondern weiter für Schwarz-Weiß-Rot, für die Monarchie und derartige Dinge eintritt. Wohin dann das Zentrum geht, das wissen wir ja. Deshalb wurden die Brücken zu den Sozialdemokraten geschlagen, und deshalb hat Herr v. Guérard ausdrücklich hervorgehoben, daß das Zentrum nicht etwa eine Entwicklung nach rechts vollzogen hätte!
Nach diesen allgemeinen Betrachtungen darf ich noch auf einzelne Gebiete im besonderen eingehen. Der Kernpunkt des Regierungsprogramms ist ja die Außenpolitik. Es ist mit absoluter Eindeutigkeit festgelegt worden, daß die bisherige Außenpolitik, also die Stresemannsche Politik, weitergeführt werden soll. Herr v. Guérard hat hervorgehoben, dadurch, daß der Reichskanzler Marx und der Außenminister Stresemann im Kabinett säßen, sei die beste Gewähr gegeben, daß die Politik in der alten Weise fortgeführt würde.
Weil gerade bei dieser Gelegenheit einige Zwischenrufe von unserer Seite kamen, möchte ich Herrn v. Guérard ganz allgemein etwas sagen. Er hat in seinen Betrachtungen einen sehr schulmeisterlichen Ton angeschlagen, nicht nur gegen die Deutschnationalen, sondern gegen jeden Zwischenrufer, gegen jeden, der ihm nicht paßte. Er hat auch Kritik am Reichspräsidenten Hindenburg geübt, allerdings mit schonenden Worten: er wolle aus Achtung vor der Person des Herrn Reichspräsidenten mit seiner Kritik zurückhalten. Jedenfalls war es so, daß außer ihm, dem Herrn v. Guérard, bloß Herr Wirth Gnade fand; alle anderen wurden als „ohne Einsicht in die Politik“ und ähnlich charakterisiert. Als ich Herrn v. Guérard hier oben stehen sah, fiel mir der „Pater Filucius“ von Busch ein. Merkwürdigerweise trägt die Zeichnung des Paters Filucius, die Busch selbst gemacht hat, auch äußerlich so ungefähr die Züge des Herrn v. Guérard. Vielleicht ist das gar nicht so merkwürdig, denn das Gesicht drückt ja immer den Geist aus, und Busch war offenbar sehr feinfühlig in solchen Dingen. Aber vor allen Dingen ist mir auch der Vers eingefallen:

Diese eklige Geschichte
– die Regierungsbildung –
Tut ihm in der Seele leid,
denn man will auch hier schon wieder
Nicht so wie die Geistlichkeit.

Herr v. Guérard ist wirklich der reinste Pater Filucius und der vollendete Schulmeister, der da glaubt, daß er jeden abkanzeln kann, und der blindlings alles als dumm bezeichnet, was nicht seiner Geistesrichtung ist! Ich glaube, den Eindruck der Guérardschen Rede kann man ruhig dem Hause und Volke überlassen!

(Sehr richtig! im Zentrum.)

Ich habe vorhin schon ausgeführt, daß die Außenpolitik nicht von unserer Wirtschaftspolitik zu trennen ist, denn es bleibt doch ewig bei uns bei allen diesen Regierungsbildungen dasselbe Bild: wir sind verpflichtet zu diesen unerfüllbaren Lasten an unsere Feinde. Außer im Friedensvertrag von Versailles sind sie ausdrücklich in dem Dawes-Pakt festgelegt worden, und unsere ganze Steuerpolitik und Wirtschaftspolitik ist auf diesen Friedensvertrag aufgebaut und auf der Außenpolitik, die wir geführt haben. Da muß ich nun die Deutschnationalen fragen: wie oft haben Sie diese Politik Stresemanns als geradezu katastrophal für das deutsche Volk bezeichnet?

(Sehr wahr! bei den Völkischen.)

Und jetzt haben Sie eingewilligt, daß diese Politik als Richtschnur gilt, daß diese bedingungslose Erfüllungspolitik – ich möchte geradezu sagen diese würdelose Erfüllungspolitik – des Herrn Stresemann weitergetrieben wird.
Herr Stresemann ist ja nicht hier, bei Reden von unserer Seite pflegt er durch Abwesenheit zu glänzen; sonst würde ich ihn an den Werdegang seiner Außenpolitik erinnern. Er ist, um es etwas ironisch auszudrücken, der reinste Geisterbeschwörer gewesen. Er ist heute Stresemann der Siebente oder der Achte – ich kann mich in der Nummer täuschen -, er kehrt ja in jedem Kabinett wieder. Jedesmal aber, wenn er bei einer Regierungskrisis zurückkehrte oder wenn er für Locarno, Genf oder Thoiry eine Agitation entfaltete, hat er vom Geist der Versöhnung, vom Geist der Gerechtigkeit, vom Geist von Locarno, vom Geist von Thoiry, von Gott weiß was für Geistern gesprochen. Aber Herrn Stresemann ist es so gegangen wie dem normalen Spiritisten mit dem schlechten Medium: die Geister erschienen nicht,

(sehr gut! bei den Völkischen.)

und heute ist Herr Stresemann, möchte ich sagen, „von allen guten Geistern verlassen“. Sie sind alle nicht erschienen, und wenn schon mal einer gerade erscheinen wollte, hat er schnell wieder Reißaus genommen.

Aber an eins möchte ich noch erinnern. In der Nationalversammlung damals, bei der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Versailles waren noch sämtliche Parteien von den Deutschnationalen bis zu den Unabhängigen einig darin, daß dieser völkerrechtlich nicht gültig wäre, weil er uns mit dem Bajonett abgepreßt worden ist nach der Entwaffnung und daß wir, wenn sich die Welt und die politische Lage draußen erst etwas beruhigt hätte, ein Anrecht auf Aufhebung dieses Vertrages hätten. Das war früher auch der Standpunkt der Herren Stresemann und Marx. Später aber haben wir in diesem Werdegang einen bedeutsamen Wendepunkt erreicht: in politischer Beziehung in Locarno und in wirtschaftlicher Beziehung mit dem Dawes-Pakt. Beide bedeuten neben anderen schweren Gesichtspunkten vor allem den Wendepunkt zur Freiwilligkeit der Verträge. Bis dahin – wirtschaftlich bis zum Dawes-Pakt, politisch bis Locarno – hatten wir das Recht, zu sagen, die Verträge sind alle ungültig, sie basieren alle auf der Vergewaltigung. Und dann war es Herr Stresemann, der von sich aus, nachdem er vorher dem deutschen Volke umgekehrt gepredigt hatte, auf einmal die Anregung dem Ausland, unseren bisherigen Feinden, gegeben hat, nunmehr freiwillige Verträge mit uns abzuschließen. Wir haben in Locarno freiwillig alles auf uns genommen, was der Friedensvertrag von Versailles uns vorschreibt. Wir haben im Dawes-Pakt freiwillig wirtschaftlich die Sklavenketten auf uns genommen. Wir haben damit kein Recht mehr, vor der Welt zu sagen: es geht gegen das Völkerrecht, was uns auferlegt worden ist, und wir haben damit die Kriegsschuldfrage innerlich entwertet.

(Abgeordneter v. Graefe [Mecklenburg]: Wir haben das Recht noch, bloß die anderen nicht!)

Sehen Sie, wenn die Engländer zugegeben haben: wenn die Kriegsschuldfrage zugunsten Deutschlands entschieden wird, müssen wir Deutschland einen anderen Frieden geben, – dann ist das jetzt alles hinfällig, denn wir haben in diesen beiden Dingen freiwillig uns verpflichtet; und wenn heute wegen der Kriegsschuldlüge der Friedensvertrag von Versailles aufgehoben würde, würde der Vertrag von Locarno und der Dawes-Pakt bestehen bleiben.

(Zuruf von den Völkischen: Für die andern, aber nicht für uns!)

Meine Herren von den Deutschnationalen, diese Anerkennung der Freiwilligkeit haben Sie sich jetzt auch vom Zentrum aufkneten lassen, haben Sie anerkannt! In den von Ihnen anerkannten „Richtlinien“ des Zentrums steht ausdrücklich: Anerkennung von Locarno, d.h. der Freiwilligkiet unserer Verpflichtungen. Besonders herausgehoben ist dieser Punkt sogar! Sie haben jetzt die ganzen Verträge, wie extra vom Zentrum betont worden ist, nicht bloß in der Praxis anerkannt, nein, sogar anerkannt, daß sie rechtmäßig und innerlich bindend zustande gekommen sind! Sie haben sich also des Rechtes begeben, noch gegen die Vergewaltigungspolitik zu protestieren. Sie haben sich des Rechtes begeben, zu sagen, weil einzelne Dinge hier nicht mit Zweidrittelmehrheit beschlossen worden ist, seien sie nicht rechtsgültig. Meine Damen und Herren, diesen Punkt können Sie später auch nicht wieder aus der Rüstkammer herausholen. Wer einmal etwas als rechtsgültig anerkannt hat, würde vor jedem Menschen lächerlich werden, wenn er nach dem Austritt aus der Regierung auf einmal sagte: jetzt erkenne ich es nicht mehr an. Das ist sehr schwerwiegend; denn jetzt haben die Franzosen recht mit der Behauptung, daß die nationale Opposition bei uns tatsächlich zusammengebrochen sei.

(Zuruf von den Völkischen: Aber wir sind noch da!)

Ihr Eintritt in die Regierung ist die logische Folge von Köln. Geistig haben Sie in Köln vollzogen, und als Ihr heutiger Minister Hergt – ich glaube, es war in Stuttgart – nach Köln in einer Rede sagte: wir sind nicht nur bereit, in die Regierung zu gehen, nein, wir fordern, daß wir in die Regierung aufgenommen werden, da war die Kapitulation der nationalen Opposition, soweit es die stärkste nationale Partei anbetrifft, vollzogen; und was sich heute ausgewirkt hat, ist nur die logische Folge. Aber das ist das Furchtbare. Denken Sie einmal in der Geschichte zurück an frühere Lagen Deutschlands oder auch anderer Länder nach einem Zusammenbruch, wie da der vaterländische Geist, wie die vaterländische Opposition immer stärker wurde, bis sie die Macht wieder in Händen hatte. Das Furchtbare ist, daß wir diesmal den umgekehrten Weg gegangen sind, und es ist eigenartig, daß diese Kapitulation der Deutschnationalen als nationale Opposition auch nur ein Stück eines logischen Werdegangs in der allgemeinen Entwicklung aller Parteien ist.

Denken Sie, bitte, einmal an Weimar zurück. Wie war das Bild damals? In der Nationalversammlung in Weimar zeigte sich auf einmal dem überraschten Volk, das angeblich auf der ganzen Linie gesiegt hatte, daß die nichtrevolutionären Parteien die Mehrheit hatten. Also da stimmte etwas mit der Revolution nicht. Aber man rechnete damals im Volke draußen, daß all die sogenannten bürgerlichen Parteien nun nationale Oppositionen gegen die Roten treiben würden, die ja die Revolution getragen hatten. Damals war doch die Propaganda der Demokraten hinausgegangen: jetzt, nachdem die Revolution gesiegt habe, handle es sich nur darum, einen Schutzwall gegen die Roten aufzurichten. Das enthielten alle Ihre Flugblätter, das haben alle Ihre Redner gesagt! Da sind sehr viele, da sind Hunderttausende und Aberhunderttausende von Wählern, die gar nicht daran dachten, demokratisch zu sein, an die Wahlurne gegangen und haben demokratische Zettel abgegeben, und die Demokratie ist mit einer starken Fraktion in Weimar eingerückt als Hoffnung der nationalen Opposition gegen die Internationale der Roten.

(Zuruf von den Deutschen Demokraten: Das ist gar nicht wahr!)

Und nun beginnt der Wendepunkt. In Weimar zeigte sich sehr rasch, daß die Demokratie aus der nationalen Opposition ausschied. Sie wurde zur Schleppträgerin der Linken. Dann waren eine ganze Menge, die auf das Zentrum hofften. Da waren katholische Wähler, die sagten: Das ist doch die Partei, die immer für Thron, Altar und Vaterland gekämpft hat. Wie der Kampf für den Thron aussieht, das hat uns vorhin Herr v. Guérard erzählt. Die passioniertesten, schwarzrotgoldensten Republikaner, die man sich denken kann, das ist die Zentrumspartei, die auch nach der Revolution noch Propaganda für Thron, Altar und Vaterland betrieben hat. Überschrift des Herrn v. Guérard: „Ich bin ja immer aufrichtig“, wie er vorhin betont hat.

(Sehr gut! bei den Völkischen.)

Da schied das Zentrum als zweite Partei aus der erhofften nationalen Opposition aus. Es machte das Bündnis mit den Internationalen der roten Richtung – die schwarze Internationale mit der roten! -, und von nationaler Opposition, von dem Gesichtspunkt: das Vaterland über die Partei, war nichts mehr zu spüren, sondern bloß noch Parteikuhhandel mit links.

(Sehr richtig! bei den Völkischen.)

Dann ging es weiter!
Nun war aber doch noch eine schwarzweißrote monarchische Front von Deutscher Volkspartei und Deutschnationalen übrig. Soll ich über den Werdegang der Deutschen Volkspartei große Worte machen, oder ist sie nicht einfach durch den Namen Stresemann als das Kernstück der Erfüllungspolitik ohne jede Bedingung gekennzeichnet? – Und dann kam der Eintritt in den Völkerbund und dann Köln! Nun waren auch die Deutschnationalen aus der nationalen Opposition ausgeschieden. So schließt sich die Kette dieses eigenartigen Werdegangs!

(Sehr wahr! bei den Völkischen.)

Herr Stresemann aber, der in den Völkerbund hineinging, als er die Trümpfe in der Hand hatte, als man uns brauchte, stellte nicht die leisteste Bedingung. So hat er, um nur ein Beispiel herauszugreifen, sich nicht einmal die Schlußsumme unserer Verpflichtungen nennen lassen. das sind keine Utopien. Man wirft uns Völkischen ja immer vor, wir wollten mit dem Kopf durch die Wand, wir verlangten unmögliche Dinge. Nein, meine Damen und Herren, wir Völkischen verlangen gar keine Unmöglichkeiten, aber ich möchte einmal fragen, ob hier ein Vertreter im Hause ist, der etwa bestreiten möchte, daß, wenn Stresemann beim Eintritt in den Völkerbund die Bedingung gestellt hätte: bitte, wenn wir jetzt gleichberechtigte Großmacht sein sollen, dann müßt Ihr uns doch wenigstens die Schlußsumme nennen! – der Völkerbund anders gekonnt hätte, als uns diese Bedingung zu erfüllen. Die Feinde hätten es tun müssen, oder sie hätten sich vor der ganzen Welt als das Gegenteil dessen gebrandmarkt, als was sich der Völkerbund ausgibt. Spielend hätte man diese und einige andere Bedingungen herausholen können, z. B. Besatzungsfragen, Kriegsschuldfragen. Die Kriegsschuldfrage ist von Herrn Stresemann nicht einmal angeschnitten worden; nicht eine einzige Bedingung hat er gestellt, im Gegenteil, er hat sich dafür, daß Herr Briand den Satz geprägt hat, der Rhein sei nunmehr ein sanktioniert internationaler Strom, und andere Dinge, unterwürfig bedankt und eine unwürdige Rolle gespielt. Für sein „nobles“ Benehmen in Genf hat er ja wohl auch den „Nobelpreis“ bekommen.

Wir Völkischen sind ja grundsätzliche Gegner des Völkerbundes und des Eintritts Deutschlands in den Völkerbund und werden es auch bleiben. Aber wir hätten einem Manne, der um das, was er für sein Vaterland hätte herausschinden können, wirklich gekämpft hätte, politisch so viel Gerechtigkeit widerfahren lassen müssen, daß wir gesagt hätten: gut, er ist anderer Ansicht als wir, aber so wie in England sich die Konservativen und Liberalen gegenseitig zuerkennen, daß sie als gute Engländer handeln, hätten wir sagen können: er hat sich die beste Mühe gegeben, als Deutscher für sein Vaterland zu kämpfen. Aber wenn ein Mann gar nicht gekämpft hat, wenn er kampflos alle Stellungen preisgegeben hat und wenn seine ganze Hoffnung dauernd nur darin besteht, mit Herrn Briand und diesen Leuten gut Freund zu sein, da kann ich wirklich nicht sagen, dass man ihm irgendwie Unrecht tut, wenn man ihn auf das allerschärfste ablehnt. Sehen wir uns doch einmal die Vorgänge an! Ich erinnere daran, daß bis heute noch keine Aufklärung über den falschen Text des Dawes-Gutachtens gegeben worden ist, der von dem Amt des Herrn Dr. Stresemann auf Kosten der Steuerzahler verbreitet wurde und mit dem das deutsche Volk über das Elend getäuscht worden ist, in das es hineingeführt wurde. Ich habe Herrn Stresemann das letztemal, als ich darüber sprechen durfte, gesagt: „Wenn Sie heute dem Reichstag keine Antwort über diese Sache geben, dann verlangen wir, daß Sie vor einem Gerichtshof zur Aburteilung wegen wissentlicher Täuschung des deutschen Volkes gestellt werden. Herr Stresemann hat wieder keine Antwort gegeben. Alles das sind Gesichtspunkte, die auch die Deutschnationalen in großem Umfange geteilt haben. Ist das alles für Sie heute weggewischt und existiert nicht mehr? Dieser Mann darf die Außenpolitik weiterführen, und Sie haben ihm ‚plein pouvoir‘ dazu gegeben. Sie haben auch keine Majorität im Kabinett, um eine Änderung zu erzwingen. Diese Politik – ich will auf die Einzelheiten nicht weiter eingehen – ist ja der Kernpunkt unseres ganzen Elends. Es gibt zwar immer wieder Menschen hier im Hause, die davon sprechen, daß wir im Aufstieg seien. Nein, wir sind nicht im Aufstieg, auch wirtschaftlich nicht. Gewiß trifft man heute manchmal Leute, einzelne Vertreter irgendeines Werks, die sagen: es geht uns wieder besser, wir haben wieder Aufträge. Was sich aber wirtschaftlich vollzieht, ist nur die Internationalisierung der deutschen Wirtschaft, weiter gar nichts.

(Lebhafte Zustimmung bei den Völkischen.)

Denken Sie an die Bildung der internationalen Konzerne, des Eisentrusts, des Stahltrusts usw.! Das ist einfach die Preisgabe der ehemals so blühenden nationalen deutschen Wirtschaft.

(Sehr richtig! bei den Völkischen.)

Wir werden den Beweis ja erleben, wenn wir wieder zur Beratung des Schutzzolls kommen. Wir Völkische sehen heute schon voraus – und wir haben leider Gottes mit unseren Vorhersagen immer recht gehabt -, daß mindestens große Teile der Industrie ihren Kampf um die Schutzzölle aufgeben werden oder, wenn auch vielleicht nicht gleich auf einmal, so doch allmählich, die Landwirtschaft sitzen lassen werden. Warum? Weil bei dieser internationalen Vertrustung, bei der man den Weltmarkt in Absatzgebiete aufteilt, die Industrie einfach das Interesse an den Schutzzöllen, wie sie bisher aufgebaut waren, immer mehr verliert.

(Zuruf von der Deutschen Volkspartei: Ich denke, Sie wollen die Getreidezölle ermäßigen!)

– Wer hat Ihnen denn das vorgemacht, Herr Kollege? Da sind Sie doch auf dem Holzwege. Ich glaube, so sehen wir nicht aus, daß wir gegen die Landwirtschaft für Verbilligung der Zölle je gekämpft hätten. Wenn Sie sich an unsern letzten Kampf für die Landwirtschaft erinnern, dann werden Sie Ihre Behauptung nicht aufrechterhalten können.

Also die von mir geschilderte Außenpolitik ist die Grundlage unserer wirtschaftlichen Versklavung. Sie geht, wie wir das hier schon mehrmals ausgeführt haben, auf Pläne – ich muß wieder auf diese jüdisch-freimaurerischen Zusammenhänge hinweisen – hinaus, wie sie Herr Briand zugegeben hat, indem er sagte, daß der Völkerbund nur die Vorstufe für die „Vereinigten Staaten von Europa“ sei. Es ist eigenartig – vielleicht ist das einzelnen Kollegen entgangen -, festzustellen, wie schon einige Wochen vor Weihnachten in den ganzen Reden mit wenigen Ausnahmen auf einmal von links der Europäerstolz gepredigt wurde. Sogar Herr Wirth vom Zentrum hat plötzlich davon gesprochen, wir müßten jetzt Solidaritätsgefühl und Stolz als Europäer bekommen.

(Abgeordneter v. Graefe [Mecklenburg]: Er ist der richtige Mitteleuropäer!)

– So ein Urtyp des Europäers, so ein Musterbeispiel ist er ja wohl in Idealkonkurrenz vielleicht mit Herrn Stresemann. Ich muß bedauern, daß auch aus der Rede des Herrn Grafen Westarp etwas vom Europäertum herausgeklungen hat, wenn auch nicht in der scharfen Form wie bei den anderen.

(Zuruf bei den Völkischen: Leider!)

Wie stehen denn die Dinge? Wenn wir Völkischen davon sprechen, daß ein Volk nur durch Spannkraft nationale Begeisterung und sittliche Wiedergeburt aus dem Elend herauskommen kann, dann wird das als Utopie bezeichnet. Die vaterländische Spannkraft braucht man auf der Linken nicht. Herr Wirth ist ja einer der Vertreter, genau wie Herr Stresemann, von denen, die da sagen: Nur mit der Wirtschaft kommen wir heraus. Wir sagen: Nein, diese Spannkraft müssen wir haben. Aber warum denn, meine Damen und Herren, wollen Sie denn den Begriff des Vaterlandes ersetzen durch den Begriff „Europäertum“ und uns dafür die Begeisterung anempfehlen? Darin liegt doch eine Unlogik. Sie geben damit ja zu, daß es eine Begeisterung für einen solchen Begriff geben muß, nur wollen Sie nicht mehr das Deutsche, sondern das Europäische. Das ist ganz klar die Parole, die ausgegeben worden ist von der internationalen Freimaurerei: Europäertum, Europäerstolz dem deutschen Volke in jeder Rede im Reichstag, in jedem Artikel einhämmern! Lesen Sie die letzte Rede von Herrn Koch in Karlsruhe, dann haben Sie ein Musterbeispiel dafür. Wenn Sie weitere Beweise haben wollen, so lesen Sie die ganze Judenpresse der letzten Zeit; das deutsche Volk soll dem Deutschtum entwöhnt werden, Europäerstolz soll an die Stelle gesetzt werden. Der ganze wirtschaftliche Werdegang der Internationalisierung ist nur die Vorbereitung der „Vereinigten Staaten von Europa“ auf wirtschaftlichem Gebiete. Wir Deutschnationale -, wir Völkische –

(Heiterkeit.)

– Sie haben sich auch schon einmal versprochen!

(Zuruf links: Es ist wegen des Mißtrauensvotums!)

Ich habe mich aber noch niemals so versprochen, daß ich gesagt habe: „Wir Sozialdemokraten“.

(Zuruf von den Sozialdemokraten: Dafür danken wir Ihnen auch!)

– Dann sind wir uns ja einig. – Wir Völkischen lehnen es allerdings auf das Schärfste ab, daß hier Europäertum gepflegt wird. Wir wollen national in die Höhe kommen, und wir wissen, daß wir in Europa in jeder Beziehung zu kämpfen haben, und daß wir die Freiheit nicht durch Aufgehen in „Paneuropa“ bekommen. Hier trennen sich die Wege. Meine Herren von den Deutschnationalen, den Weg müssen auch Sie sich überlegen. Sie haben jetzt mit Herrn Stresemann den Weg beschritten, auf dem es auf „Paneuropa“ losgeht. Ob da die werbende Kraft Ihrer Partei bei den Wählern noch aufrechterhalten bleiben wird, das zu bedenken muß ich Ihnen selbst überlassen.

Ich darf Ihnen dann, meine Herren Deutschnationalen, noch ein paar Worte ins Gedächtnis rufen, um zu zeigen, wie Sie sich gewandelt haben; denn bei der allmählichen Wandlung spürt man manchmal nicht so sehr, wie das vor sich geht. Ich habe hier einmal die Erklärung der Deutschnationalen herausgeholt, die Sie abgaben, als Sie wegen Locarno aus der Regierung austraten. Es ist die offizielle Parteierklärung durch den damaligen Vorsitzenden Herrn Dr. Winkler. Sie fängt damit an – ich darf wohl diese paar Worte verlesen -:

„Ihren alten Zielen und Grundsätzen getreu kann die Deutschnationale Volkspartei niemals zugeben, daß das Diktat von Versailles freiwillig anerkannt wird.“

Da war also ganz richtig der Kernpunkt der Freiwilligkeit herausgeholt, den ich vorhin erwähnte. Dann sind die Deutschnationalen wegen dieses Punktes aus der Regierung herausgegangen, jetzt sind sie wieder hereingegangen. Derselbe Minister Schiele, der, wie uns erzählt wird, im Kabinett so scharf gegen Locarno gekämpft hat, ist jetzt ihr Vertreter, und Locarno samt der Freiwilligkeit wird offiziell von Ihnen anerkannt. Da frage ich Sie, meine Herren (zu den Deutschnationalen): Warum sind Sie denn damals wegen Locarno aus der Regierung heraus, warum sind Sie überhaupt heraus? Sie haben jetzt viel mehr anerkannt, als damals an Hemmungen bestanden hat. Das ist ein Rätsel; wie ist denn das zustande gekommen?

Ich darf dann noch ein weiteres hier anführen. Ich war so boshaft und habe hier einen deutschnationalen Antrag Westarp, Hergt und Genossen herausgeholt. Bei diesem Antrag handelt es sich um den Eintritt in den Völkerbund – diese Frage war damals akut -. Da heißt es: Der Antrag auf Eintritt in den Völkerbund ist nicht zu stellen, bevor nicht folgende Bedingungen erfüllt sind. Nun kommen die Bedingungen, die die Deutschnationalen stellen. Da heißt es auch unter 3.: Der amtliche Widerruf des Deutschland im Versailler Vertrag abgepreßten Schuldbekenntnisses, die Rückgabe der Kolonien, die vorherige Räumung des besetzten Gebietes usw. usw. Meine Herren! Wie reimen sich dieser Antrag und Ihre heutige Haltung noch zusammen? Damals haben Sie gekämpft und gesagt, vorher dürfe man nicht in den Völkerbund hinein, und heute, nachdem nichts davon erfüllt ist, Anerkennung des Eintritts und nicht nur Anerkennung, daß er de facto vollzogen ist, sondern auch, daß er rechtmäßig zustande gekommen wäre.

Meine Damen und Herren! Wenn ich diese Frage so betrachte und ein Schlußergebnis ziehen soll, dann muß ich leider Gottes sagen, daß gerade in der Außenpolitik durch den Eintritt der Deutschnationalen keine Besserung eingetreten ist, sondern dadurch, daß die nationale Opposition fehlt und dadurch, daß wir als kleine Fraktion zu schwach sind, um dem Auslande gegenüber als nationale Opposition wirkungsvoll gewertet zu werden, ist die außenpolitische Lage viel schlechter geworden.

(Zustimmung bei den Völkischen.)

Bismarck hat sich wiederholt sehr deutlich, sehr klar und interessant in seinen Werken über den Wert der nationalen Opposition ausgesprochen. Er hat darauf hingewiesen, daß die nationale Opposition eines der wertvollsten Instrumente eines Außenministers sein muß. Meine Damen und Herren, setzen Sie sich beispielsweise in die Lage des Herrn Stresemann, wenn er hätte kämpfen wollen um Bedingungen beim Eintritt in den Völkerbund. Bei einer scharf geführten Opposition der Deutschnationalen zusammen mit uns, hätte er den Franzosen, hätte er seinem Freund Briand bei einem seiner Frühstücke, die er so gerne bei ihm einnimmt, erklären können: mein lieber Briand, überspannt den Bogen nicht, seht mal her, wie es hinter mir grollt, wie durch meine Nachgiebigkeit die nationale Opposition im Wachsen ist; wenn ihr den Bogen überspannt, dann wird bei der nächsten Wahl eine Zunahme, bei der übernächsten Wahl vielleicht die Majorität dieser Leute da sein. Gerade mit Berufung auf die Gärung, auf die Wallung in der nationalen Opposition hätte er für sein Vaterland vieles herausholen können. Diese Waffe für einen Außenminister, heiße er Stresemann – er gebraucht sie ja nicht – oder anders, haben Sie ihm genommen, und nun sehen wir, daß Sie trotzdem in der Außenpolitik jetzt keine Änderung herbeiführen wollen, denn mit kleinen Mitteln ändert man die Richtlinien nicht. Wir stehen also tatsächlich heute schlechter in der Außenpolitik als vorher.

(Zustimmung bei den Völkischen.)

Meine Damen und Herren! Ich komme nun noch mit ein paar Worten zur Wirtschaftspolitik. Ich möchte nicht auf Einzelheiten eingehen, ich möchte aber einige Fragen an die Regierung und einige Fragen auch an die Regierungsparteien, insonderheit die Deutschnationalen, richten. Ich habe in der ganzen Wirtschaftspolitik in dem Regierungsprogramm auch nicht eine grundlegende Frage gefunden, wie nun eigentlich das Wirtschaftsleben durch praktische Maßnahmen wieder gebessert werden soll. Ich habe zum Beispiel eine Forderung vermißt, die doch auch von Ihnen bei den Deutschnationalen immer vertreten worden ist, nämlich die Forderung einer grundlegenden Steuerreform.  Sehen Sie, da treffen wir auf eines dieser Hemmnisse, weil eben die Steuergesetzgebung grundlegend nicht geändert werden kann, ohne daß man die Zahlungen an das Ausland letzten Endes kürzt. Wir vermissen eine Steuerreform in dem Sinne, daß dem deutschen Volke nicht dauernd die Vermögenssubstanz weggesteuert wird, sondern daß künftig die Steuer nur noch aus dem Ertrage des Besitzes und der Arbeit genommen wird. Solange wir nicht den grundlegenden Wendepunkt finden, daß die Substanz bei diesem verarmten Volke geschont wird und der Ertrag allein die Steuern aufbringen kann, so lange ist eine Besserung in unserem Wirtschaftsleben nicht möglich. Dazu müßte man aber vorher die Außenpolitik ändern. Ich habe aber vor allem etwas vermißt: Es sind hier wohl einige wohlwollende Redensarten über die Not der Landwirtschaft gemacht worden. Aber, meine Herren Deutschnationalen, Sie haben doch jetzt den Landwirtschaftsminister bekommen. Ich möchte Sie daran erinnern, daß im Ausschuß, als wir neulich den Etat des Landwirtschaftsministeriums berieten, sämtliche Parteien einschließlich der Linken sich über die ganz furchtbare Not der deutschen Landwirtschaft klar waren. Es war sich alles einig, daß hier mit kleinen Mitteln nicht mehr zu helfen ist, sondern unbedingt eine ganz grundlegende Aktion zugunsten der Landwirtschaft eingeleitet werden muß. Was hier in der Regierungserklärung an Worten über die Landwirtschaft zu hören war, ist keine grundlegende Aktion, ist nichts, wodurch das deutsche Bauerntum draußen vor der Erdrosselung gerettet werden kann, sondern weiter nichts als ein paar schöne Redensarten. Ich möchte deshalb hier die Hoffnung und die Bitte an die Deutschnationalen aussprechen, daß sie nun, wo sie den Landwirtschaftsminister in der Regierung haben, diese Frage in ihrer ganzen Schwere erfassen und wirklich eine grundlegende Entschuldungs- und Rettungsaktion zur Erhaltung des deutschen Grund und Bodens einleiten. Wiederholt schon haben wir darauf hingewiesen: nachdem man dem deutschen Volke das Barvermögen, sein Betriebskapital durch die Internationale weggenommen hat, sind wir jetzt mitten drin, daß der deutsche Grund und Boden enteignet werden soll. Bei Ihnen liegt es jetzt. Machen Sie wenigstens in diesem Punkte die Probe darauf, daß Sie dem deutschen Volke helfen wollen!

Im Zusammenhang mit der Wirtschaftsfrage möchte ich aber noch einen Punkt anschneiden. Vor wenigen Tagen ging die Nachricht durch die Zeitungen von der Entscheidung des Haager Schiedsgerichts hinsichtlich der Entschädigung der Auslandsdeutschen. Diese Frage scheint mir für das Wirtschaftsleben doch von ganz grundlegender Bedeutung zu sein, und ich habe leider jede Stellungnahme der Regierung dazu vermißt. Ich glaube, der Punkt wäre wichtiger gewesen als manche Einzelheit und Kleinigkeit, die hier erwähnt worden ist. Worum dreht es sich denn? – und ich möchte, daß auch da die Deutschnationalen im Kabinett ihren Einfluß geltend machen, um möglichst bald Klarheit hierin herbeizuführen. Bekanntlich hat Deutschland beansprucht, daß die Zahlungen der Entschädigungen für das im Ausland geraubte deutsche Eigentum aus den Zahlungen auf Grund des Dawes-Paktes geleistet werden, und erklärt, diese Summen seien darin einbegriffen. Durch den Friedensvertrag von Versailles ist uns ja, nachdem die Feinde gegen jedes Völkerrecht den Diebstahl an deutschem Privatvermögen begangen haben, die Entschädigung für diese Auslandsdeutschen aufgezwungen worden. Nun haben die Feinde die deutsche Auslegung abgelehnt, und die Frage ist vor das Haager Schiedsgericht gekommen. Das Haager Schiedsgericht hat uns Unrecht gegeben, und wir haben die Entschädigung der Auslandsdeutschen in Höhe von 9 Milliarden Mark aufgeladen bekommen. Wir haben also jetzt, wenn ich einmal von der Möglichkeit der Durchführung absehe, den Fall, daß Deutschland erstens die Dawes-Zahlungen zu leisten hat und zweitens noch die 9 Milliarden für die Auslandsdeutschen. Ich glaube, es gibt hier im Hause und auch in ganz Deutschland keinen Menschen, der das für möglich hält. Aber nun entsteht die Frage: liegt hier nicht ein geradezu sträflicher Leichtsinn der bisherigen Regierung vor, indem der Herr Außenminister beim Abschluß des Dawes-Paktes der Meinung war, daß die Entschädigung der Auslandsdeutschen eingeschlossen wäre? Mußte er sich nicht darüber vergewissern, bevor die Unterschrift abgegeben wurde? Was ist das für eine Leichtfertigkeit, wenn man ein solches Abkommen abschließt, zu glauben, etwas wäre so und so, sich aber nicht darüber zu vergewissern und nachher mit der ganzen Sache hineinzufallen. Meine Damen und Herren! Wir stehen aber auf dem Standpunkt, daß nun möglichst rasch die Frage geklärt werden muß, wie der Reihe nach diese Ansprüche zu erfüllen sind. Wir stehen auf dem Standpunkt: Der primäre Anspruch ist der aus dem Friedensvertrag von Versailles. In Versailles haben wir die Verpflichtung übernehmen müssen, die Auslandsdeutschen zu entschädigen, und das Dawes-Abkommen ist hinterher abgeschlossen worden. Also erst kommen die in Versailles unterschriebenen Verpflichtungen der Entschädigung der Auslandsdeutschen, und dann erst die Frage, wieweit dann noch Dawes-Lasten zu zahlen sind. Das ist eine juristische Frage, die unbedingt geklärt werden muß. Denn unsere Wirtschaftspolitik wird ja auf den Kopf gestellt, wenn wir diese Lasten alle zu tragen haben.

Meine Damen und Herren! Noch einige Worte über Kultur- und Innenpolitik. Ich teile die Sorgen in der Kulturpolitik in bezug auf das, was hier über das Konkordat gesagt worden ist. Es mag ja alles richtig sein, was Herr v. Guérard gesagt hat, daß keine „Abmachungen“ getroffen worden sind. Aber ob Gespräche und Verhandlungen darüber gewesen sind, das ist etwas ganz anderes. Wir haben jedenfalls die schwersten Befürchtungen in dieser Richtung. Wenn aber im Programm der Regierung von Kulturfragen die Rede ist, dann möchte ich die Deutschnationalen fragen: Haben Sie denn Ihren Einfluß nicht dahin durchsetzen können, daß endlich einmal Schluß gemacht wird mit den Machtbestrebungen der ultramontanen Richtung in Deutschland? Ihnen ist vom Zentrum ein kaudinisches Joch gebaut, Ihnen sind Bedingungen auferlegt worden. Haben Sie denn Ihrerseits gar keine Bedingungen gestellt?  Hier wäre der Punkt zum Einhalten. Das Zentrum ruft immer: Wir wollen keinen Kulturkampf, und treibt selbst seit Jahren den Kulturkampf gegen uns. Aber wir sollen den Kampf nicht aufnehmen. Also das Rezept „Haltet den Dieb…“

In bezug auf die Innenpolitik will ich, da ich zum Schlusse kommen muß, nur das eine sagen: Die Sozialdemokratie hat ganz richtig einmal gesagt: „Wer Preußen hat, hat Deutschland.“ Wenn Sie (nach rechts) diesen schweren Schritt der Beteiligung an der Regierung tun wollten – er mag manchem ja sehr ans Gewissen gegangen sein, Ihnen manche schwere Stunde gekostet haben -, dann mußte der Moment in Deutschland nur reif sein, wenn auch gleichzeitig in Preußen eine Wandlung geschaffen wurde. Was entsteht denn nun für eine Lage, wenn Sie (die Deutschnationalen) jetzt solche Verpflichtungen eingehen gegen die Wehrmacht, gegen die Beamten? Das gibt doch nur eine Gesinnungsschnüffelei schlimmster Art. Was meint denn Herr v. Guérard, wenn er von „verfassungsfeindlich“ spricht? Ja, „verfassungsfeindlich“ ist ein wager Begriff, dessen Auslegung zu Gesinnungsschnüffelei führen muß. Das hat Herr Severing in Preußen bewiesen.

(sehr wahr! bei den Völkischen.)

und sein Nachfolger Herr Grzesinski ist kein Jota besser. Was hilft es denn, wenn Sie nicht dort in der Praxis dafür sorgen, daß ein anderes System eingerichtet wird, das wieder Schutz der freien Meinungsäußerung gewährleistet? Denn sonst kommen wir dahin, daß man in der Armee und im Beamtentum immer nachschnüffelt: welchem Verbande, welcher Richtung gehörst du an; wir wollen nachher prüfen, ob wir dieser Richtung nicht irgend etwas andrehen können, was vielleicht unter den Begriff „verfassungsfeindlich“ fällt. Primär wird aber geschnüffelt, wohin der Mann politisch gehört. Das nennt man die freie Meinungsäußerung, wie sie in der Reichsverfassung gewährleistet ist! Also, solange Sie nicht in Preußen Wandel geschaffen haben, solange wird auch im Reiche keine Änderung eintreten. Wie das gemeint ist, geht aus den Ausführungen der „Germania“ hervor, deren Lektüre ich Ihnen empfehlen möchte. Ich will das nicht im einzelnen verlesen, weil ich Schluß machen muß, aber ich darf mit Genehmigung des Herrn Präsidenten einige Sätze herausgreifen:

Ganz bedeutungslos ist es nicht, – schreibt die „Germania“ – wenn die bisherigen erbitterten Bekämpfer der Republik und der Erfüllungs- und Regierungspolitik sich einstimmig und feierlich vor aller Welt auf die republikanische Verfassung, die Farben der Republik und auf die Marxschen Versprechungen einer Reform der Reichswehr, gegen die Wehrverbände und für die nach außen und innen verbindliche Kraft der Locarno-Verträge verpflichten.

Wie steht es denn mit der Frage der Reichswehr? – Gewiß, viele sagen, die Deutschnationalen haben mit ihrem Eintritt in die Regierung wenigstens die Reichswehr gerettet. Meine Herren Deutschnationalen, ich gebe Ihnen zu: hier liegt wirklich ein Körnchen Wahrheit; hier ist der einzige Punkt, wo man sagen kann, Ihr Eintritt in die Regierung hat etwas Gutes geschaffen. Aber er hat keine Garantie dafür geschaffen, wie diese Reform aussehen wird. Wir werden es ja nach den Ausführungen der „Germania“ und nach den Worten, die hier von Herrn v. Guérard gefallen sind, erleben! Wenn Sie, meine Herren Deutschnationalen, die Reichswehr schützen wollen, so denken Sie bitte auch daran, daß es mit der Rettung der Reichswehr vom sozialdemokratischen Druck nicht getan ist, denken Sie daran, daß die Reichswehr auch durch den Völkerbund gefährdet ist. Die Reichsregierung hat sich im Völkerbund verpflichtet, widerspruchslos jede Verminderung unserer Reichswehr hinzunehmen.

(Hört! Hört! bei den Völkischen.)

Und diese Verminderung wird kommen. Entweder wird die Reichswehr in das politische Fahrwasser von links hineingezogen, oder sie wird von der Internationale – die Fäden sind ja dieselben – durch den Völkerbund gebrochen werden. Dann sind Sie (zu den Deutschnationalen) diejenigen, die diese Verpflichtung mit anerkannt haben.

Meine Damen und Herren! Ich möchte damit schließen, daß ich wiederhole: ein Staat wird nicht gerettet durch äußere formale Dinge, ein Staat wird nicht gerettet lediglich mit der Wirtschaft, ein Staat wird nur gerettet durch die sittliche Spannkraft, die Begeisterungsfähigkeit dieses Volkes. Nur diese Begeisterungsfähigkeit entscheidet im Werdegang der Geschichte, ob ein Volk bestehen bleibt oder untergeht! Was wir aber heute erleben, ist ein absolutes Abgestumpftsein der deutschen Volksseele.

(Sehr richtig! bei den Völkischen.)

Die deutsche Volksseele liegt geradezu im Sterben. Und wir von der nationalen Rechten haben die heilige Pflicht, zu sorgen, daß die deutsche Volksseele nicht stirbt. Aber wieviel Enttäuschung liegt auf der deutschen Jugend nach all den Versprechungen, die auch von Ihnen, meine Herren Deutschnationalen, in der Aufwertungsfrage, in der Kriegsschuldfrage, in der Frage der Verträge von Locarno und des Sicherheitspaktes und was sonst noch alles war, gemacht worden sind! Jedesmal sind noch die Hoffnungen enttäuscht worden; jedesmal wuchs die Zahl abgestumpfter nationaler Kämpfer aus dem Weltkrieg und nationaler Jugend überhaupt, die heute nicht mehr zur Wahlurne gehen!

Meine Herren Deutschnationalen! Sie haben den Weg der Koalition mit dem Zentrum beschritten, Sie müssen ihn auch zu Ende gehen. Wir aber wissen, daß wir Völkischen als kleines Häuflein der nationalen Rechten nun eine doppelt schwere Verantwortung zu tragen haben! Wenn Sie einen Weckruf an das deutsche Volk richten wollen, dann wird Stresemann, wird Marx und wird Guérard sagen: das ist illoyal; ihr dürft nicht kämpfen! Wir aber werden kämpfen, und die gegenwärtige Entwicklung hat doch wenigstens darin ihren Wert, daß jetzt die Geister sich scheiden werden. Ich weiß, wie viele Ihrer (zu den Deutschnationalen) Wähler draußen genau so empfinden wie wir. Ich kenne keinen großen Unterschied zwischen den Anschauungen unserer und der meisten Ihrer Wähler. Ich weiß, wie vielen es innerlich nahegeht, was nun von Ihnen vollzogen worden ist. Aber es muß Klarheit geschaffen werden! Wir kämpfen nun allein um die Seele des deutschen Volkes; wir lassen uns nicht ersticken in dem politischen Formalkram, durch den das deutsche Volk in seiner Spannkraft ertötet wird!

(Beifall bei den Völkischen. – Ironische Heilrufe bei den Sozialdemokraten.)

Präsident Löbe: Ich schlage dem Hause vor, die Sitzung um eine Stunde auszusetzen, während welcher Zeit sich der Ältestenrat versammeln wird. – Das Haus ist damit einverstanden. Ich bitte die Herren des Ältestenrats, sich im Zimmer 3b einzufinden.

Wiederbeginn der Sitzung um 4 Uhr pünktlich.

(Pause von 2 Uhr 49 Minuten bis 4 Uhr 3 Minuten.)

[…]


32 thoughts on “Wer Recht erkennen will, muss zuvor in richtiger Weise gezweifelt haben

  1. Hallo Mia, danke für Deine Fleißarbeit. Welch lange Rede mit für mich teilweise überraschenden Inhalten… Gruß, Helmut

    • Gern geschehen. Diese Rede scheint mir – als unparteiischer Diplomatin – ein wichtiger Schlüssel zur Identitätsfrage der nationalen Rechten zu sein. Die Ausführungen des Herrn Henning sind so plausibel wie menschlich, sodass die herangezüchtete antideutsche Koalition, die sich bisher auf einem sicheren Standpunkt sah, durch diese Dokumente nicht mehr pauschalisieren kann. Der Kampf gegen Rechts ist damit beendet.🙂

      • Hallo Mia!
        Tut mir leid ich verstehe deine Argumentation nicht ganz….kannst du sie mir vielleicht mal näher erläutern, gerade im im Bezug auf die Anti-Deutschen und den beendeten Kampf gegen Rechts?

        LG
        Orkan

        • Ich will es versuchen…
          > Wer für die Internationale / finanzorientierte Vereinheitlichung der Länder und Menschen kämpft und zeitgleich die Rechte und Interessen eines einzelnen – des eigenen Landes und Volkes nicht achtet, der ist in meinen Augen antideutsch. (Ein vernünftiger Deutscher würde soetwas nicht tun.)
          Die Wirtschaft oder ein „Völkerbund“ darf nicht auf Kosten der eigenen Schutzbefohlenen und ohne Rücksicht auf Verluste erstarken. Von denen, die aber trotzdem genau das rücksichtslose egoistische „in seiner Gesamtheit und in der Welt besser aussehen wollen“ praktizieren und predigen – von denen kommen die lautesten Schreie im K(r)ampf gegen „Rechts“.
          Sie denken, sie seien bessere Menschen, nur weil sie eine Minderheit schlecht behandeln und dafür – nach deren Logik – „die Welt“ verbessern. Tun sie aber nicht, weil jeder in erster Linie ein Stück Eigenverantwortung trägt bzw. tragen sollte.
          Dass die Entwertung einer Minderheit (in dem Fall: Volkstreuer / Kulturverteidiger) aber Rassismus ist, wollen sie nicht einsehen. Für sie ist die Minderheit rassistisch, die um ihr Überleben, ihr Recht auf ihre Existenz und die Anerkennung als Teil der kulturellen Vielfalt (nicht der Vereinheitlichung!) kämpft.
          > Eine solidarische Einheit verschiedener Völker ist nicht das Gleiche wie ein erzwungener Einheitsbrei von Völkern ohne Rechte auf Individualität.
          Ich denke Hennings Gedanken mit dem Blick auf die heutigen Umstände, die scheinbar eine Fortsetzung oder gar Wiederholung seiner Reifeprüfung sind. Rechts ist nicht gleich rechts, weil schließlich auch damalige Deutschnationale von den Völkischen zu Recht ermahnt wurden.
          Die nähere Erläuterung ist Hennings Rede, die man wahrlich nicht als menschenfeindlich ansehen kann, so wie es das „Zentrum“ heute noch gern hätte, nur weil wir Patrioten die – sich als solches bezeichnenden „Gegner“ deutscher Treue und Zusammengehörigkeit – an die heimischen Rechte und Pflichten erinnern.
          Ich teile Hennings Auffassung bzgl. einer gesunden Rechten und den Zuständen innerhalb der jeweils herrschenden völkisch unsozialen Regierung. Er hatte sich schon 1927 mit unseren heutigen Sorgen auseinandergesetzt…
          Verdammt. Wie soll ich Emotionen erklären?😀 Es tut mir leid, dass Du nicht sehen bzw. empfinden kannst, was ich empfinde, wenn ich eine so ehrliche Ansprache und Kritik – wie die Hennings – verinnerliche…

          Dir ebenfalls liebe Grüße von *Mia

  2. Hallo Mia,
    ich weiß, das ich nicht viel weiß, doch nun weiß ich mit Gewissheit, daß ich mehr weiß, als die, die meinen alles zu wissen!
    Danke für die Geschichtsstunde!
    Passend wäre diese Rede heute genauso wie damals- nur dürfte sie heute keiner mehr in dieser Form halten.

    Hut ab!
    Da hast Du wieder ’ne lange Nacht gehabt!

    Grüße aus’m Spreewald

    • „Passend wäre diese Rede heute genauso wie damals- nur dürfte sie heute keiner mehr in dieser Form halten.“

      Naja – verbieten kann man sie bzw. gleiche Ansichten nicht; sie hat / haben nichts mit dem bisher propagierten NS zu tun.
      Ich werde sie einfach ausdrucken und bei weiteren Seminaren vortragen. Dann hätte ich statt ner Horde ignoranter Politiker wenigstens ein paar zuhörende Bürger vor mir, die sich Gedanken machen…

      Wie wir jetzt wissen, wiederholt sich die Geschichte ständig. Es wird auch wieder der Tag kommen, an dem sich einer im Bundestag erhebt und den anderen die Meinung geigt. Falls nicht, bin ich auch noch da.😉

      Ich musste zwischendurch (beim Lesen und Verstehen) an Farage, Nitzsche & Co denken. Sogar Jan Timke oder Frank Franz würde ich so eine Rede zutrauen… Wir dürfen nicht aufgeben – wir haben die Verantwortung für (vorerst) 80 Millionen Menschen – unser Vorteil: Wir „NoHoe´s“ sind nicht käuflich – wir bleiben unseren guten Absichten treu!😛

      Sonnige Grüße zurück von *Mia

  3. Solch eine Rede wurde mal in einem deutschen Parlament gehalten.
    Beispielhaft für ein zukünftiges deutsches Parlament,das nicht zu einer volksfeindlichen Laberbude verkommen will.

    Für die dezeitige Laberbude sind solche Reden natürlich absolut gefährlich.

    Danke Mia😉

    • Es ist Wilhelm Henning, geb. am 26.07.1879 in Bruchsal; aber er war kein „NSler“. Er erklärt dazu in der 352. Sitzung im Reichstag:

      […]’Nun ist es aber geradezu ein Musterbeispiel dafür, mit welcher Leichtfertigkeit man heutzutage vorgeht, wenn man heute etwas verbieten will und nur einen Vorwand sucht, wenn angeblich von Herrn Severing „festgestellt“ wurde, wir seien die Nachfolgerin der Nationalsozialisten, und wenn sich dann aktenmäßig beim Staatsgerichtshof ergeben hat, dass uns vier Wochen nach unserer Gründung die Nationalsozialisten noch in Hannover und vielen anderen Orten bekämpft haben. Man kann doch nicht die Fortsetzung einer Organisation sein, die einen zunächst bekämpft, und mit der man erst später ein Übereinkommen trifft, etwa sechs Wochen nach der Gründung! Man könnte doch höchstens fragen, ob es erlaubt war, daß diese Nationalsozialisten auch bei uns eingetreten sind. Im übrigen ist es doch ein logischer Unfug, wenn wir die Fortsetzung von einem halben Dutzend Verbände sein sollen! Man halte doch einmal die Programme der Leute nebeneinander!

      (Sehr richtig! bei der Deutschvölkischen Freiheitspartei.)

      Zum Beispiel das Programm des „Verbandes nationalgesinnter Soldaten“ und das Programm der „Nationalsozialisten“ stimmen gewiß nicht überein. Von beiden sollen wir aber die Fortsetzung sein! Wieviel Programme sollen wir denn in unserer Freiheitspartei vereinigen? Das ist doch überhaupt ein Unfug. Aber so geht man eben heute vor!'[…]

      • In den frühen Jahren war er keiner, ja, da war er bei der DNVP (Deutschnationale Volkspartei) aktiv, später aber bei der DFVP (Deutschvölkische Freiheitspartei), dann NF (Nationalsozialistische Freiheitspartei) und dann bei der allseits bekannten NSDAP aktiv.

        Vielleicht hat sich seine Einstellung im laufe der Zeit geändert oder er hatte die NSDAP anders wahrgenommen als sie eigentlich war, jedenfalls war er in 2 NS Parteien aktiv.

        • Woher Du das hast, weiß ich nicht. „Wikipedia“ nehme ich an…😉
          Laut Reichstagsprotokoll vom 31. März 1928 und Hennings eigenen Erklärungen (die mehr zählen, als Vielleichts und Eventuells) gab es erst im Nachhinein einen Zusammenschluss seiner Freiheitspartei und NSlern. (= NF) Dieser wurde allerdings wieder aufgelöst und Henning trat in den Völkisch-Nationalen Block ein. Die NSDAP war zum gleichen Zeitpunkt eine seperate Vereinigung, die von Goebbels später propagiert – wie Du sicherlich auch schon mitbekommen hast – als deutsche Linke galt. Man hasste den „rechtsstehenden nationalen Besitzbürgerblock“. Ich denke (weiß es also nicht mit Bestimmtheit), dass Goebbels Hennings Block meinte. Hab noch nicht alles gelesen. Ist einfach zu viel und ich hab noch andere Dinge zu tun😛
          Henning
          In den kommenden Jahren (nach o. g. Protokoll ’28) tauchte Henning in keinem parteilichen Mitgliederverzeichnis des Reichstages mehr auf. Er war also (nach bisherigen „Originalquellen“) KEIN Mitglied der NSDAP. Auch bei Abstimmungen ist er nirgends mehr namentlich erwähnt worden. Was mit ihm passiert ist, werde ich hoffentlich noch herausfinden. „Möglicherweise“ hat es jemandem nicht gepasst, dass er die Freimaurer mit seinen Büchern „Stellt die Freimaurer unter Kontrolle“ (1928+1931) auffliegen ließ und „Das Geheimnis des Bolschewismus“ publiziert hat… Das meiste hat er nicht nur geschrieben, sondern auch im Reichstag offen und mit Beweismitteln vorgebracht. 1932 soll er über die deutsch-völkische Freiheitsbewegung noch ein letztes Buch herausgebracht haben. Mich wundert es jedenfalls nicht, dass ein prodeutscher Diplomat bei „Wikipedia“ so schlecht abschneidet. 8)

  4. Bei uns waren vor kurzem Kommunalwahlen. Die Wahlbeteiligung lag bei 38%. – 62% ist es also egal, wer in den Amtsstuben sitzt! – Die WählerInnen denken, es ist eh Wurscht, ob und wen und was man wählt. – Da helfen jetzt auch die schönsten Parlamentsreden nicht mehr. – Das ist wie mit einer Ehe. Die großen Illusionen, die manche, die viele 1949 hatten, mal so richtig Demokratie machen, die sind zerstoben. – Die merken es aber nicht und machen unverdrossen weiter. Wie bei uns die CSU, die bei 40% herum geistert. Und da ist noch viel Luft nach unten. Franz Josef würde rotieren, wenn er wüßte, was seine Erben so treiben.😉

    • Eines ist klar: Wenn der Abwärtstrend in der Wahlbeteiligung auch bundesweit so anhält, ist das BRD-System auch politisch bankrott. Moralisch, gegenüber dem Deutschen Volk, ist es das schon lange.

      Ob nun CDU/CSU zusammen mit FDP oder SPD und Grüne regieren, spielt doch effektiv keine Rolle, wie die letzten Jahre gezeigt haben. Beide Gruppierungen praktizieren Schuldkult auf unsere Kosten.

      Also, warum dann noch für die, seit 1990 illegale, BRD wählen gehen? Um die BRD-Parteien-Mafia weiter zu unterstützen?

  5. Vielleicht kommt ja irgendwann der Zeitpunkt das jemand im Parlament eine Rede hält wo jedem klar wird wie verfälscht die heutige Demokratie ist

  6. Liebe Mia,
    bis Du etwa die Person, die seit heute rechts oben abgebildet ist? – Können Zecken und Borrelien eine solche Wirkung haben? Haare weg! Unten vorher – oben nachher?
    Warnung an alle: rechtzeitig zum Arzt gehen!
    Und an Mia: Gute Besserung!!! Bitte, bitte, werde wieder gesund! – :mrgreen:

    • Meine Güte… Du solltest versuchen, Deine „sentiments d’incomplétude“, Deine Minderwertigkeitskomplexe, die Du wegen „meinem“ Aussehen hast, in den Griff zu bekommen.😉 Sowas führt in einigen Fällen zu Komorbidität und / oder Soziophobie – letztendlich zu sozialer Isolation… Das wäre sehr schade.

  7. Das neue Bild von Mia veranlasst mich zu ein paar grundsätzlichen Betrachtungen:
    • Der Totenkopf ist ein negatives Symbol. Ein Symbol für Vergänglichkeit, für Gefahr, für Kampf. Einen Totenkopf auf den Mützen hatten die Husaren schon vor 250 Jahren. Ich nehm’an, nicht nur in Preussen/Deutschland, sondern auch in anderen Ländern. Es ist das, was einem blühen kann, wenn man in den Kampf geht. Er steht auf gefährlichen Materialien, auf Chemikalien und auf Flüssigkeiten. Und er wird in den Kirchen verwendet, als Memento mori.
    • Und wie viele Leute wird man damit ansprechen? – Ich glaube, die meisten, wenn sie nicht grade mit dem Rücken zur Wand stehen und eh schon alles egal ist, wollen was Aufbauendes, Konstruktives, Optimistisches, auch in der Symbolik.
    • Ich habe „Zuerst“ abonniert und lese gerne die „Junge Freiheit“. – Aber wenn ich die Blätter aus der Hand lege, bin ich hinterher eigentlich immer verärgert und mißgestimmt. Es stimmt ja alles, was sie sagen. Traurig. Aber Wege zur Änderung werden selten aufgewiesen und oft gibt es überhaupt keine. Man wird mit dem ganzen Elend der derzeitigen Entwicklung konfrontiert und dann allein gelassen.
    • Lese ich dagegen im „Manager Magazin“, bin ich hinterher gut gelaunt. Der Export blüht wieder, mit der Wirtschaft geht’s wieder aufwärts (zumindest vorerst). Die Steuereinnahmen steigen wieder usw. usw. Und dann noch ein paar Klatschartikel. Und hinterher geht’s einem besser.
    • Auf der rechten Seite (auch bei „geradeaus“) ist zuviel Miesigpetrigkeit! Die meisten Menschen wollen auch den schönen Seiten in Deutschland was abgewinnen und sich nicht nur ärgern.
    • Und jetzt kommst Du ins Spiel. Da gibt’s die Mia. Flottes Mundwerk in der geschriebenen und in der gesprochenen Sprache, messerscharfer Verstand und nettes Aussehen. Ist zwar vieles Kacke im Land, aber wenn man die Mia anschaut und anhört, dann geht’s einem besser. Die macht das schon richtig.
    • Und wenn Du jetzt anfängst, Dich selber zu verstümmeln, mit so’m Geradeaus-Punk-Outfit mit kurzen Haaren und Totenkopf, dann ist eigentlich keinem geholfen. – Du sollst lieb und klug und hübsch sein und integrieren und auch Wege weisen, aber nicht abschrecken! –😉
    Das sag ich mal so….

    • Die Haare sind nicht ab. > Mit 13 Jahren hatte ich, nachdem ich meinen Iro loswerden wollte, ne Vollglatze – seitdem bin ich „geheilt“! 8)

      Was denn?!

      Und was hast Du an „Toten“ auszusetzen? Sie haben das Ende des Krieges gesehen! Ich empfinde deren Abbild nicht als „negativ“, nur weil andere das tun. Wir sehen unter unserer „Fassade“ alle gleich aus – „das ist meine Intention“, dieses Kleidungsstück zu tragen. Möglicherweise sehe ich die Sache auch nur unkomplizierter, als Menschen, die sich durch „von anderen“ gedeutete Symbolik beeinflussen lassen. Ich bin ich und ich bleibe es, egal, wie ich auf den Einzelnen wirke. 8)

      PS: Meine inneren Werte sind „hübsch“. Wer die erkannt hat oder erkennen will, den stört nicht, dass ich tätowiert, gepierct und eben zwischendurch nonkonform gekleidet bin. Perfektion liegt immer im Auge des Betrachters – und genau das nimmt die freie Sicht auf die relevanten Dinge…

  8. Das mit dem „Abschrecken“ ist so eine Sache…..sehr subjektiv, meine ich.
    Aber wie sich jeder kleidet/frisiert ist ihm selbst überlassen.
    Richtig glücklich ist eh‘ nur der, der sie ohne T-Shirt kennt!😉

  9. @ Nachtwächter und Spatensoldat

    Schämt euch! Redet ihr so auch mit Frauen, die ihr auf der Straße trefft? Oder habt ihr dann zuviel Angst auf die Fresse zu kriegen? Schaut mal im Lexikon nach unter „gentleman“ (ist ein englisches Wort)…

    Schönes Foto, Mia, cooles Outfit!

    Ich hatte ja auf meinen Überblick zu Steeles „White Guilt“ hingewiesen. Davon ist jetzt der zweite Teil erschienen, den ich euch nicht vorenthalten will:

    http://fjordman.wordpress.com/2010/08/28/shelby-steele-white-guilt-teil-2-wachsende-schuld/

  10. Nun das ist eine sehr lange Rede. Teils durchaus zustimmungswürdig, aber mich würde auch die Antwort der darin attackierten Deutschnationalen interessieren. Die blieb ja sicher nicht aus.
    Wo findet man denn die Reden der Reichstagsabgeordneten ?
    Fundamentaloppositionelle machen sich es immer sehr leicht mit ihren Vorwurfen. Ich weiß wovon ich rede:mrgreen: aber man kann den heutigen Zeitgeist nicht mit den damaligen vergleichen, der war insgesamt viel nationaler. Bei allen Parteien.

    Angesprochen werden der Völkerbund, Locarno, Stresemann …
    Der Völkerbund war keine schlechte Sache aber ebenso wie heute die UNO nur so stark wie der privilegierte Teil seiner Mitglieder es zulies, von dem diese Organisationen instrumentalisiert wurden. Frankreich spielte damals eine ganz üble Rolle.
    Werd mir mal, wenn endlich wieder Zeit vorhanden ist, dieses Buch ausleihen:
    http://aleph18.onb.ac.at/F/JLAY8NG9EG5LTPSIF11E2GTFFHMDFQ394ICSDGB4NAP5HJQYT7-34628?func=find-b&request=Die+diplomatische+Vorgeschichte+des+Beitritts+Deutschlands+zum+V%C3%B6lkerbund&find_code=WTI&x=58&y=11

    Locarno kann man mit Recht als Erfüllungspolitik bezeichnen aber es war nun mal so, daß der französische Erzfeind ab längeren Hebel saß. Der Preis für ein bißchen Sicherheit war das deutsche Elsaß-Lothringen wo es übrigens keine Volksabstimmung gab, obwohl die Franzosen vor der ganzen Welt versicherten, die Elsässer wollten gar nicht zurück zu Deutschland.
    In der heutigen Bewertung äußert sogar Metapedia Verständnis für Stresemann, der einem „Ost-Locarno“ niemals zugestimmt hätte wie alle Parteien damals.
    http://de.metapedia.org/wiki/Locarnovertrag

    Als Hitler mit dem Verständigungsabkommen mit Polen von 1934 diesen Nationalverrat einleitete, saßen die meisten Politiker die das nie tun wollten in Lagern und Gefängnissen.
    Stresemann hatte noch einen gewichtigeren Grund Deutschland in den Völkerbund zu führen, nämlich um die Interessen der Millionen Auslandsdeutschen – vor allen die in den Oststaaten – wirksamer schützen zu können.
    Im Völkerbund, so hoffte man, sollten Minderheitsschutzbestimmungen zum Erhalt des Deutschtums beschlossen werden. Bis dahin mußte ja schon fast 1 Million Deutscher aus Polen ihre Heimat wegen des polnischen Druckes verlassen.
    Stresemann konnte sein Ziel nicht erreichen, das dreckige Duo Frankreich und Polen sorgte für seine Niederlage, die gleichzeitig ein entscheidender Ansehensverlust für die Weimarer Republik wurde.

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