Gastbeitrag von DNVP: Das Vermächtnis des Wenzel Jaksch

Hätte ich schon einen eigenen Blog würde ich folgendes zum Thema eines Artikels machen. Hab ich aber nicht und so muß halt Mias Blog mit einem Eintrag herhalten:mrgreen:
Sie wird es mir hoffentlich verzeihen !

Das Vermächtnis des Wenzel Jaksch.

21. November 1966

Rundfunkrede (1) des sudetendeutschen Politikers (2) Wenzel Jaksch (SPD):

Vom Rechtsstandpunkt nicht abgehen.

… Es kommen von allen Seiten Versuchungen an uns heran, etwa in dem Sinne, daß wir durch Vorleistungen ein besseres Klima gegenüber dem Ostblock schaffen und nach irgendwelchen Wartezeiten dafür durch Entgegenkommen belohnt werden sollen. Unser Standpunkt im Bund der Vertriebenen (2) ist der, daß wir in erster Linie die Aufgabe haben, die Stabilität der Bundesregierung zu sichern, um damit das Bollwerk gegen ein Vordringen des Kommunismus nach Westeuropa zu erhalten. Diese Aufgabe kann nur auf der Basis des unerschütterlichen Rechtsstandpunktes gelöst werden. Sobald wir anfangen, von diesem Rechtsstandpunkt abzugehen, etwa einmal die deutschen Ostgebiete abzuschreiben oder zu sagen, das sudetendeutsche Heimatrecht sei ausgelöscht, wenn wir damit anfangen, kennen wir bereits das Ende. Wir begeben uns auf die schiefe Bahn des Ausverkaufs, des Totalverzichts und schließlich der Anerkennung des Status quo, wie er heute ist. Wir würden die Schleusen der Unmenschlichkeit weiter öffnen. Die Bejahung der Selbstbestimmung ist der einzig denkbare politische und rechtliche Ausdruck des Selbstbehauptungswillens eines Volkes. Wir stehen hier in Deutschland vor der Entscheidung zwischen dauernder Fremdbestimmung, und man kann über diesen Zustand der Fremdbestimmung über große Teile Deutschlands nur hinwegkommen, indem man das Recht auf Selbstbestimmung, auch des deutschen Volkes, vertritt. Ein Drittes gibt es nicht.

Anmerkungen:
(1) Aus einem von Herbert Hupka (MdB der SPD; ab 1972 der CDU) kurz vor dem Tode von Jaksch aufgenommenen Interview für US-Rundfunkstationen.
(2) Jaksch war ab 1964 auch Präsident des Bundes der Vertriebenen.

Quelle:
Teilabschrift aus Tonbandaufnahme vom 8. 7. 1966; 10 ms. S.; Bestand des Sudetendeutschen Archivs, München; dortige Archiv-Nr. T 91.

http://www.fes.de/archiv/adsd_neu/inhalt/stichwort/seliger-gemeinde.htm
Bild von Jaksch auf dieser Seite neben anderen respektablen Sozialdemokraten, die im Bund der Vertriebenen sich aktiv für das Heimatrecht einsetzten.

Wenige Tage nach diesem Interview, am 27. November 1966, starb Wenzel Jaksch bei einem Autounfall…

Anmerkung von Mia: Ich verzeihe Dir.🙂

12 thoughts on “Gastbeitrag von DNVP: Das Vermächtnis des Wenzel Jaksch

  1. Das Interview mit W. Jaksch führte Herbert Hupka, ein ebenfalls prominenter Kämpfer für die Rechte der Heimatvertriebenen. Er starb im August 2006

    Ein Nachruf aus der Zeitschrift „Aula“ von damals:

    Am 24. August 2006 starb in Bonn Dr. Herbert Hupka. Er war einer der führenden Repräsentanten des Bundes der Vertriebenen und der Landsmannschaft Schlesien, der wohl wie kein anderer die deutsche Vertriebenenpolitik der Nachkriegszeit geprägt hat.
    Am 15. August 1915 kam Herbert Hupka in Diyatalawa auf Ceylon zur Welt. Seine Geburt fern der oberschlesischen Heimat seiner Eltern ging darauf zurück, daß sein Vater als Physikprofessor einen Lehrauftrag an der deutsch-chinesischen Hochschule in Tsingtau übernehmen sollte und auf der Reise dorthin zusammen mit seiner Frau infolge des Kriegsbeginns in einem britischen Internierungslager festgehalten wurde. Während sein Vater katholischer Konfession war, war seine Mutter Protestantin, deren jüdische Herkunft später der Grund für die Verfolgung durch die Nationalsozialisten werden sollte.
    Erst 1919 konnte die Familie nach Oberschlesien zurückkehren. Hupka wuchs in Ratibor auf, wo er das humanistische Gymnasium besuchte. Nach der Reifeprüfung im Jahre 1934 begann er in Halle an der Saale ein Studium der Germanistik, Geschichte und Geographie, das er später in Leipzig fortsetzte. Schon am Anfang seines Studiums trat er der katholischen Verbindung Silesia bei. Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges zur Wehrmacht einberufen, wurde Hupka im Jahre 1943 wegen des Vorwurfs, bei seiner Beförderung zum Offizier seine jüdische Abstammung verschwiegen zu haben, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, nach deren Verbüßung er Mitte 1944 als „wehrunwürdig“ aus der Wehrmacht entlassen wurde. Seine Mutter befand sich zu dieser Zeit bereits im KZ Theresienstadt, wohin sie als sogenannte „Halbjüdin“ um die Jahreswende 1943/44 deportiert worden war, überlebte aber die Zeit der nationalsozialistischen Verfolgung. Die nach Kriegsende einsetzende Vertreibung des größten Teiles der Ostdeutschen zwang Hupka wie Millionen seiner Landsleute, sich im Westen eine neue Existenz aufzubauen. Er ging zusammen mit seiner Mutter nach München und arbeitete zunächst als Rundfunkjournalist. Im Jahre 1957 wurde er Programmdirektor bei Radio Bremen und war danach von 1959 bis 1964 Pressesprecher des „Kuratoriums Unteilbares Deutschland“. Er wurde 1948 Mitbegründer der Landsmannschaft Schlesien, die er später als deren langjähriger Bundesvorsitzender von 1968 bis zum Jahre 2000 führen sollte. Darüber hinaus war er von 1970 bis 1992 Vizepräsident des Bundes der Vertriebenen. 1955 war Herbert Hupka in die SPD eingetreten, die sich damals noch uneingeschränkt zur Zugehörigkeit der ostdeutschen Gebiete zu Deutschland bekannte, und zog für diese im Jahre 1969 in den Deutschen Bundestag ein. Doch schon im folgenden Jahr rief er zum Widerstand gegen die „neue Ostpolitik“ Willy Brandts auf, die im Verhältnis zu den kommunistischen Vertreibungsstaaten offen einen „Wandel durch Annäherung“ und den Verzicht auf die Heimatgebiete der Vertriebenen betrieb.
    Anfang 1972 brach er mit der SPD, und sein Austritt aus Partei und Bundestagsfraktion markierte nur äußerlich einen Wendepunkt, da dies in Wahrheit Ausdruck der unveränderten Beibehaltung der eigenen Position und seines Festhaltens am völkerrechtlichen Status der Ostgebiete war, was in der Ablehnung des Warschauer Vertrages im Mai 1972 und dem Übertritt zur CDU seine konsequente Fortsetzung fand. Fr wurde für zwölf Jahre Bundesvorsitzender der Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung der CDU und gehörte wie bereits vor 1972 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 1987 dessen Auswärtigem Ausschuß an. Mitte der achtziger Jahre geriet er auch in Widerspruch zur Ostpolitik der Regierung von Helmut Kohl, dessen Anerkennungskurs bei den Vertriebenenverbänden und ihren Repräsentanten ebenfalls auf entschiedene Ablehnung stieß. Herbert Hupka war zeit seines Lebens ein entschiedener Verfechter des Heimat- und Selbstbestimmungsrechts, der es in besonderer Weise verstanden hat, das Wissen um das Schicksal der Ostdeutschen und das Unrecht der Vertreibung wachzuhalten.

  2. „Fremdbestimmung, und man kann über diesen Zustand der Fremdbestimmung über große Teile Deutschlands nur hinwegkommen, indem man das Recht auf Selbstbestimmung, auch des deutschen Volkes, vertritt. Ein Drittes gibt es nicht.“

    Wie wahr!

    Und um selbstbestimmt zu handeln, müssen wir zuerst wissen, wer wir sind und was wir wollen..

  3. Unser Standpunkt im Bund der Vertriebenen ist der, daß wir in erster Linie die Aufgabe haben, die Stabilität der Bundesregierung zu sichern, um damit das Bollwerk gegen ein Vordringen des Kommunismus nach Westeuropa zu erhalten.
    Diese Aufgabe kann nur auf der Basis des unerschütterlichen Rechtsstandpunktes gelöst werden.
    Sobald wir anfangen, von diesem Rechtsstandpunkt abzugehen, etwa einmal die deutschen Ostgebiete abzuschreiben oder zu sagen, das sudetendeutsche Heimatrecht sei ausgelöscht, wenn wir damit anfangen, kennen wir bereits das Ende.
    Wir begeben uns auf die schiefe Bahn des Ausverkaufs, des Totalverzichts und schließlich der Anerkennung des Status quo, wie er heute ist. Wir würden die Schleusen der Unmenschlichkeit weiter öffnen. Die Bejahung der Selbstbestimmung ist der einzig denkbare politische und rechtliche Ausdruck des Selbstbehauptungswillens eines Volkes.

    Jaksch war den slawischen Vertreibern und ihren Handlangern, den sowjetzonalen Marionettenregime Mitteldeutschlands besonders unerträglich, weil jeder „Nazi“-Vorwurf oder der des *„Revanchisten“ in Jaksch’s Vergangenheit die Grundlage fehlte.
    Hier hat ein Aufrechter wie selbstverständlich Positionen des Völkerrechts und des moralischen Anstandes vertreten, in einer Welt von Feinden, die das Unrecht, Raub, Mord legitimieren und die größte Menschenvertreibung der Geschichte aus Beutegier absichern wollten.
    Ich habe keine Ahnung wie der Hergang seines Unfalltodes war, doch sicher ist allemal, das sein Tod bei den Vertreibungsrechtfertigern große Erleichterung auslöste. Einer der ganz Unbequemen war nun nicht mehr. Kurz darauf erfolgte auch die Regierungserklärung der neuen Koalition, die dann das einleitete was Jaksch verhindern wollte.

    Wie recht Wenzel Jaksch doch hatte. Durch diese „Entspannungspolitik“ wurde Deutschlandpolitisch so gut wie nichts gewonnen aber so vieles und wertvolles preisgegeben.
    Und heute haben wir ein Verhältnis zu den Vertreiberstaaten, das mit dem Begriffen „Vasallentum“ oder „Unterwerfung“ noch sehr freundlich beschrieben ist. Es wurde noch schlimmer, als Jaksch es sich überhaupt hätte vorstellen können. Nicht nur das Land ist nun eine Beute des Feindes im Osten, nein, auch die wenigen Heimatvertriebenen sind völlig entrechtet (sogar auf EU-Ebene) und obendrein noch gesellschaftlich stigmatisiert, fast schon entmündigt und zwar von allen im Parlament vertretenen Parteien. Zusätzlich darf der Feind auch noch die Geschichte der Deutschen (nicht nur „die 12 Jahre“, sondern die gesamte deutsche Geschichte) und die Vorgeschichte, den Kontext der Vertreibung massiv verfälschen. Man nennt es offiziell „Versöhnung“ wenn man die Unrechtsansprüche und Befindlichkeiten der Vertreiber voll zufriedenstellt, aber es ist selbstverständlich nur eine schlechte Karikatur einer Versöhnung. Und somit wurden auch die Schleusen der Unmenschlichkeit weiter geöffnet, wie Jaksch es voraussagte.

    Heimatrecht ist Menschenrecht:

    * Revanche, Revanchismus, Revanchisten: abgel. von französisch: revanche = Rache; von den slawischen Annexions-Machthabern im Osten geprägte und vom DDR-Regime und bald auch von den Handlangern der Vertreiber in Westdeutschland übernommene Propaganda-Formeln, zur Ablenkung von dem eindeutigen Revanche-Charakter des Vertreibungsgeschehens; zugleich ein Versuch, die Wahrung und Verteidigung der Rechte der Vertreibungsopfer als Ausdruck einer von diesen verfolgten „Gegen-Rache“ („Conter-Revanche“) zu verdächtigen; im übrigen ein Anwendungsfall psychologischer Kriegsführung im Kalten Krieg zwischen Ost und West und auch noch danach bis heute, durch Projektion (Verdrängung) der Schuld von den Tätern auf die Opfer.

    Dir Mia, danke ich für die Übernahme meines Beitrages als Artikel. Damit wurden meine Gedankengänge doch noch ein paar Menschen mehr bekanntgemacht. Leider hatte ich keine Möglichkeit, diesen Artikel etwas zu gestalten, denn ein zB. Bild von Jaksch hätte ich schon gerne eingefügt. Gibt eben doch keine Alternative zu einem eigenen Blog.

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